Der Überschalljet XB-1 soll mit 2700 Kilometer pro Stunde durch die Luft rasen. Auch andere Unternehmen arbeiten an extrem schnellen Flugzeugen. Doch noch gibt es Hürden.

Der Luftfahrt geht es nicht gut, die Corona-Pandemie hat sie in eine schwere Krise gestoßen: Airbus hat das Aus für den A380 beschlossen, Boeing wird seine Dreamliner nicht los. Und mitten in dieser Krise präsentiert das US-Unternehmen Boom den Prototypen eines neuen Überschallflugzeugs.

Schneller fliegen als der Schall ist bei Passagier-Jets nichts Neues: Von 1976 bis 2003 flog die Concorde mit mehr als 2000 Stundenkilometer um die Welt. Bis sie abgewickelt wurde - die Concorde war zu teuer. "Die Betriebs- und Wartungskosten waren so hoch, dass die Einnahmen durch verkaufte Tickets das nicht mehr decken konnten", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Konstantin Köhler. Der Absturz der Concorde in Frankreich im Jahr 2000 mit 113 Toten besiegelte das Aus.

XB-1 soll nur der Anfang sein

Boom will es also noch einmal wissen und experimentiert mit dem Jet XB-1 und auch noch andere Unternehmen entwickeln Überschalljets. "Da ist ganz normale unternehmerische Motivation im Spiel ist", sagt Konstantin Köhler: "Also etwas entwickeln, ein cooles Produkt präsentieren, hoffen, dass Bedarf besteht, irgendwann Geld verdienen."

Wenn sich XB-1 bewährt, soll es die größere Variante für 75 Passagiere geben. Aber das ist noch Zukunftsmusik: Der jetzige Prototyp XB-1 ist 21 Meter lang und kann zwei Testpilotinnen und Piloten mit bis zu 2,2-facher Schallgeschwindigkeit, also circa 2700 Stundenkilometer, über maximal 1900 Kilometer weit befördern. Doch es gibt technische Hürden.

"Wenn die Schallmauer durchbrochen wird, das ist so bei circa 1200 Kilometer pro Stunde der Fall, dann gibt es einen lauten Knall. Also einen richtig lauten Knall."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die physikalischen Probleme, die es bei der Concorde-Entwicklung in den 60er-Jahren gab, gibt es heute nach wie vor. Allen voran: der Überschallknall.

Wird die Schallmauer durchbrochen bei ungefähr 1200 Kilometer pro Stunde, dann entsteht ein extrem lauter Knall, der auf keinen Fall über bewohntem Gebiet stattfinden soll - die Concorde konnte deswegen erst über dem Meer so richtig Gas geben.

Soll ein Überschalljet wie die XB-1 überall schnell fliegen können, müssen die Entwicklerinnen und Entwickler die Lärmemissionen in den Griff bekommen. Das Flugzeug muss leiser werden.

"Die Welt würde damit noch verfügbarer, als sie es schon ist."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Wenn das aber klappt, wären mit dem neuen Flugzeug Spitzengeschwindigkeiten möglich.

Billig dürfte eine Reise mit einem Überschallflugzeug aber nicht werden. Schon weil der Spritverbrauch pro Passagier noch höher als bei einem normalen Flugzeug sein wird. "Da kann man im Vergleich zu früher noch optimieren, durchs Design des Flugzeugs zum Beispiel", sagt Konstantin Köhler. "Aber ein hoher Spritverbrauch bleibt auf jeden Fall."

Der neue Flieger Boom XB-1, der jetzt präsentiert wurde, soll aber mit klimaneutralem Öko-Sprit fliegen.

Das Interesse am schnellen Fliegen ist aber auf jeden Fall vorhanden. Die Fluglinien Japan Airlines und die britische Virgin Atlantic sollen schon Überschalljets bei Boom bestellt haben. "Angeblich entwickelt auch die US-Luftwaffe an einer super-schnellen Präsidentenmaschine", sagt Konstantin Köhler.

Im Raum stehen Geschwindigkeiten von fünffacher Schallgeschwindigkeit, also 6000 Stundenkilometer. Die Strecke Frankfurt-Washington ließe sich in etwas über einer Stunde bewältigen, von Berlin nach Sydney in unter drei Stunden: "Die Welt würde damit noch verfügbarer, als sie es schon ist."