Ob Thüringer Kloß-Welt, Kölner Dom oder die Sehenswürdigkeit von nebenan: Große braune Schilder, sogenannte "touristische Unterrichtungstafeln", sollen Autofahrende von der Straße locken und zu einer spontanen Pause bewegen. Die Schilder werden zwar teurer, aber sie funktionieren, sagt Tourismusspezialist Sven Groß.

Um die "touristischen Unterrichtungstafeln" an Autobahnen und Straßen wird gestritten. Ja, so heißen die braunen Schilder mit dem Namen einer Sehenswürdigkeit und ihrer grafischen Darstellung wirklich.

Spitzenwert: 90.000 Euro je Schild

Die Kosten für die Schilder sind schon enorm gestiegen, seit die Autobahn GmbH vielerorts für die Erneuerung zuständig ist. Rund 181.000 Euro hat das bundeseigene Unternehmen etwa von der Gemeinde Sangerhausen für die Erneuerung zweier Hinweisschilder für das Europa-Rosarium verlangt.

"Jeder Sechste hat gesagt, dass er oder sie schon mal spontan abgefahren ist."
Sven Groß, lehrt Management von Verkehrsträgern an der Hochschule Harz

Ein weiterer Grund, die Schilder überflüssig zu finden: Sehenswürdigkeiten sind in Navigationssystemen und Apps recht gut dokumentiert und für Interessierte unmittelbar ansteuerbar.

Die Schilder haben eine App

Auch wenn er die App zu den braunen Schildern schätzt: Die Schilder bringen was, findet Sven Groß. Sie stünden schließlich in der Regel 15 Jahre an ihrem Ort.

"Was die Wirkung angeht, habe ich in meinen Untersuchungen kurz-, mittel- und langfristige Wirkungen herausgefunden."
Sven Groß, lehrt Management von Verkehrsträgern an der Hochschule Harz

Sven Groß lehrt das Management von Verkehrsträgern an der Hochschule Harz und hat zu den Unterrichtungstafeln bereits Befragungen durchgeführt. Mit einem handfesten Ergebnis quer durch alle Altersgruppen: "In meiner Online-Befragung hat jeder Sechste gesagt, dass er oder sie schon mal spontan abgefahren ist."

Er empfiehlt den Betreibenden von Tourismusstätten, die Besucherinnen und Besucher zu befragen, ob eine Hinweistafel sie zu ihrem Besuch gebracht hat. "Das machen leider nicht alle", sagt Sven Groß. Er ist überzeugt: Ließen sich Besucherzahlen aufgrund der Schilder handfest nachweisen, werde die Diskussion um ihre Kosten nicht mehr aufkommen.

Shownotes
Autotourismus
Infoschilder für Touris: Teuer, aber offenbar sinnvoll
vom 28. April 2024
Moderation: 
Marcel Bohn
Gesprächspartner: 
Sven Groß, lehrt Management von Verkehrsträgern an der Hochschule Harz