Im Rheinischen Braunkohlerevier wird gecampt: 600 Aktivisten fordern den Stopp des Tagebaus. Zugleich ist der Kohleausstieg von der Regierung beschlossene Sache. Warum also wird weiterhin Braunkohle abgebaut?

Seit Freitag (19. August) läuft das Klimacamp am Braunkohletagebau Garzweiler. Es ist eines von vier Revieren in Deutschland, wo im Tagebau, das heißt: nah an der Oberfläche, Braunkohle gefördert wird.

Kohle gilt als besonders klimaschädlich. Dennoch: Die Braunkohle liefert rund 24 Prozent der deutschen Stromversorgung. Hinzu kommt die Steinkohle, die importiert wird. Beide zusammen tragen zu etwa 42 Prozent der Stromerzeugung in Deutschland dabei. "Das ist ein dicker Brocken, den kann man nicht von heute auf morgen ohne Weiteres ersetzen", sagt ARD-Energieexperte Jürgen Döschner.

Aber zumindest auf einen Teil der Kohlekraftwerke könnte man verzichten, denn Deutschland hat einen hohen Strom-Exportüberschuss. Deutschland produziert mehr Strom als nötig und exportiert diesen. Das kritisieren viele, sagt Döschner. Denn zum Beispiel durch die Kohleverstromung entstehen CO2-Emissionen für Energie, die wir gar nicht verbrauchen.

Kohle ist klimaschädlich, aber günstig

Doch Braunkohlekraftwerke lassen sich nicht problemlos herunterregeln, das führt zu einer großen Beanspruchung. Der Export des Stroms zu einem günstigen Preis erscheint da manchen preiswerter als die Kraftwerke herunterzufahren.

Ein anderes Problem ist, dass Kohle günstig ist. Sowohl die Steinkohle, die billig zu importieren ist, als auch die Braunkohle, die relativ billig abgebaut wird. Hinzu kommt, dass die Preise für die CO2-Zertifikate im Rahmen des Emissionshandel zurzeit sehr günstig sind.

"Die CO2-Zertifikate-Preise, die die Kohle verteuern sollen, da das alles klimaschädlich ist, sind im Keller."
ARD-Energieexperte Jürgen Döschner

Aufgrund der günstigen Kohle, ist Erdgas als Übergangsenergie relativ teuer, wenn auch besser in der CO2-Bilanz.

Die Frage ist also: Wie erreicht man das Ziel Kohleausstieg? Die Grünen haben einen Plan dafür vorgelegt - den "Fahrplan Kohleausstieg". Sie sind damit die erste Partei, die sich an das Thema offen heranwagt, sagt Döschner. Die Regierungsparteien haben bislang aber keine eindeutige Antwort gefunden.

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