Wir schreiben weniger Briefe, aber manche Nachrichten erreichen uns trotzdem noch per Post. Damit es schnell geht, werden sie über Nacht geflogen. Das möchte die Deutsche Post jetzt ändern, um nachhaltiger zu werden.

Der Briefkasten – ein Sammelplatz für Rechnungen und Werbung? Bei vielen trifft das vermutlich zu. Das bestätigt auch Alexander Edenhofer, Pressesprecher der Deutschen Post: "Das Briefvolumen nimmt leider ab. Das beobachten wir schon seit vielen Jahren. Wir haben immer so den Richtwert, das pro Jahr rund zwei bis drei Prozent weniger Briefe bei uns pro Zustellung anfallen."

Wenige finden E-Mails besser als Briefe

Ganz Ausgestorben ist das Briefe- oder Postkartenschreiben im Moment allerdings noch nicht. Laut einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2021 (von YouGov im Auftrag von web.de) versendet mehr als ein Drittel der Deutschen alle sechs Monate einen Brief. "42 Prozent der Befragten sagen, sie finden es schön, einen Brief oder eine Postkarte zu bekommen statt einer E-Mail", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Minh Thu Tran. "Weitere 42 Prozent sagen: 'Es ist mir eigentlich egal, ob es eine Mail oder ein Brief ist.'" Und nur acht Prozent sagen, sie finden eine E-Mail tatsächlich besser als einen Brief. An Weihnachten oder in Ferienzeiten hat die Post übrigens regelmäßig mehr zu tun.

"Vor allem zu Weihnachten und zur Urlaubszeit ist tatsächlich das Briefe und Postkarten-Aufkommen bei der Post wieder höher."
Minh Thu Tran, Deutschlandfunk Nova

Die Post ist gesetzlich dazu verpflichtet, Briefpost schnell zu übermitteln: Laut Post-Gesetz müssen 80 Prozent der Briefe bis zum nächsten Werktag geliefert sein und 95 Prozent bis zum zweiten Werktag. Jetzt aber gibt es bei der Post ein paar Überlegungen, die Briefe weniger schnell zuzustellen.

"Momentan ist es so, dass wir bestimmte Sendungen mit dem Flugzeug über Nacht transportieren müssen. Sonst würden wir eben diese Vorgabe der Verordnung nicht schaffen."
Alexander Edenhofer, Pressesprecher der Deutschen Post

Um die schnelle Zustellung zu sichern, werden viele Briefe über Nacht mit dem Flugzeug von A nach B geflogen. "Wenn es eben solche Vorgaben nicht mehr gäbe, könnten wir natürlich auch auf die Nachtflüge verzichten. Das würde die ganze Briefzustellung auch nachhaltiger, umweltfreundlicher machen", sagt Alexander Edenhofer von der Deutschen Post.

"Ohne Nachtflüge müssten wir damit rechnen, dass die Briefe ein bisschen später kommen, denn Lkw und Bahn sind nicht schnell genug."
Minh Thu Tran, Deutschlandfunk Nova

Die Formel für einen richtig guten Brief

Die Germanistin Jana Kittelmann forscht zu Briefliteratur und sagt: Es gibt keine Formel für den perfekten Brief, aber sie hat dennoch ein paar Tipps. Zum Beispiel zu versuchen, die eigene Stimmung einzufangen und wiederzugeben.

"Theodor Fontane, einer der begnadetsten Briefschreiber, wie ich finde, hat mal gesagt: 'Der Brief soll Abdruck einer Stimmung sein.' Also vielleicht geht es genau darum, Momente einzufangen, auch die eigene innere Stimmung wiederzugeben und dabei natürlich zu sein."
Jana Kittelmann, Germanistin

Jana Kittelmann sagt aber auch, dass es darauf ankommt, was für eine Beziehung man zu der Person hat, der man einen Brief schreibt – wie man vielleicht mit dieser Person normalerweise spricht oder kommuniziert. "Was am Brief eben schön ist, ist, dass er im Gegensatz zu einer Mail einfach physisch ist. Also das heißt, die Person, die dir den Brief geschrieben hat, hat ihn auch in der Hand gehabt. Die hat das eben handschriftlich geschrieben, hat das Briefpapier ausgesucht, den Umschlag, und das macht eben schon sehr viel aus und gibt jedem Brief so eine sehr persönliche und individuelle Note", sagt Minh Thu.

Und möglicherweise sorgt genau diese persönliche Note dafür, dass Briefe – trotz digitaler Kommunikation – noch nicht so bald komplett aussterben.

  • Moderatorin:  Sonja Meschkat
  • Gesprächspartnerin:  Minh Thu Tran