490 Tage. So lange schon sind über 200 Mädchen in Nigeria entführt. Sie sind in den Händen der Terror-Miliz Boko Haram. #BringBackOurGirls ist euch sicherlich noch in Erinnerung. Eine Forderung nicht nur der Netz-Gemeinde. Die ARD-Korrespondentin Shafagh Laghai war in Nigeria. Sie erzählt von der unglaublichen Gewalt.

April 2014: Über 200 Schülerinnen werden von der Terror-Miliz Boko Haram entführt. Bis heute - rund 16 Monate später - ist nicht klar, wo genau die Mädchen sind, und was mit ihnen passiert ist. Die ARD-Korrespondentin Shafagh Laghai reiste nach Chibok, eine Kleinstadt im Nordosten von Nigeria. Der Ort, aus dem die Mädchen verschleppt wurden. Shafagh konnte als erste Ausländerin Chibok besuchen.

"Viele Frauen wirken tief traumatisiert. Während der Gefangenschaft durchleiden sie eine Art Gehirnwäsche verbunden mit unglaublicher Angst. Das sind Terrorcamps."

Die über 200 Schulmädchen sind nicht die einzigen Opfer von Boko Haram. Schätzungsweise über 2000 Frauen und Kinder wurden von der islamistischen Terror-Gruppe entführt. Shafagh hat mit Frauen gesprochen, die in der Gewalt der Miliz waren und befreit wurden. Sie schildern die Grausamkeiten. Die Gefangenen werden gezwungen zum Islam zu konvertieren und müssen den Koran auswendig lernen. Aber noch viel schlimmer, durchleiden sie körperliche und sexuelle Gewalt. "Das sind Terrorcamps, in denen die Frauen gehalten werden", sagt Shafagh.

Von den entführten Schulmädchen fehlt weiterhin jede Spur. "Es gibt Vermutungen, dass sie im Nordosten Nigerias gefangen gehalten werden. Im Sambisa-Wald", sagt Shafagh. Boko Haram soll dort seine Basis haben. Aber wieso rückt das Militär dann nicht einfach vor? Eine Frage, die sich auch viele der Eltern der entführten Mädchen stellen.

"Das Militär sagt, eine Operation sei schwierig", so Shafagh. Eine Militäroperation gab es immerhin schon. 700 Frauen wurden befreit - die 200 Schülerinnen waren nicht darunter.

Die Reportage "Nigerias gestohlene Kinder" von Shafagh Laghai läuft am 17. August 2015 im Ersten.