Immer wieder gibt es Diskussionen darüber, dass Affen für Tierversuche eingesetzt werden. Proteste dagegen gab es zuletzt in Bremen, dort wird an der Universität mit Rhesusaffen geforscht. In der Grundlagenforschung könne man nicht auf Versuche mit Primaten verzichten, meinen Befürworter.

Insgesamt werden in Deutschland jedes Jahr rund fünf Millionen Tiere für Tierversuche eingesetzt. 2021 waren darunter ungefähr 1900 Affen – größtenteils Javaneraffen. Das steht in einem Bericht des Deutschen Zentrums zum Schutz von Versuchstieren. Aber auch an und mit Rhesusaffen wird geforscht, etwa in Bremen. Beide Arten gehören zu den Makaken, die in Südostasien leben. Versuche gibt es auch an Pavianen oder Totenkopfäffchen. Das ist allerdings eher die Ausnahme.

Versuche für neue Medikamente

In den meisten Fällen sind die Affen Versuchstiere im Rahmen von Zulassungsstudien. Wer in Deutschland etwa ein Medikament auf den Markt bringen will, muss es vorher an zwei unterschiedlichen Tierarten testen. Und weil Affen uns Menschen recht ähnlich sind, nehmen Forschende da eben manchmal auch Affen, sagt Philipp Schwedhelm vom Bundesinstitut für Risikobewertung.

"Es gibt spezielle Medikamente, für die ist der Primat deutlich besser geeignet. Zum Beispiel die weiblichen Geschlechtsorgane, Augen, Sinnesereignisse, Blutgerinnungsmedikamente und auch alles, was mit dem Hirn zusammenhängt."
Philipp Schwedhelm, arbeitet beim Bundesinstitut für Risikobewertung

Solche gesetzlich vorgeschriebenen Zulassungsstudien für neue Wirkstoffe oder Chemikalien machen den größten Anteil der Versuche mit Affen aus, schätzungsweise 90 Prozent.

Die restlichen Affen werden etwa in der Grundlagenforschung eingesetzt. Ein Beispiel:

  • Eine Forschungseinrichtung will herausfinden, welche Teile in unserem Gehirn für unsere Augenbewegungen zuständig sind. Um das herauszufinden, nehmen die Forschenden Affen, weil deren Gehirn dem unseren am meisten ähnelt.
  • Die Tiere werden zunächst betäubt, danach werden ihnen Metallteile in den Schädel implantiert. Darüber kann man dann später beim eigentlichen Experiment die elektrischen Signale der Nervenzellen messen.
  • Beim Experiment wird der Kopf in der Apparatur fixiert, wenn die Affen ihre Augen bewegen. Dann werden die elektrischen Signale der Nervenzellen ausgewertet.

Weniger Schmerz durch Konditionierung

Die Forschungseinrichtungen versuchen sicherzustellen, dass die Tiere so wenig wie möglich leiden. Philipp Schwedhelms Job beim Bundesinstitut für Risikobewertung ist es, sich im Vorfeld der Tierversuche deren Versuchsanordnung anzuschauen. Man kann da schon viel machen, sagt er – etwa, indem die Tiere behutsam herangeführt und positiv konditioniert werden.

"Das ist insbesondere bei Primaten sehr zielführend, denn das sind wirklich intelligente Tiere, die hervorragend trainiert werden können."
Philipp Schwedhelm, Bundesinstitut für Risikobewertung

Wird das vernünftig gemacht, kann man den Stress und die Ängste, denen die Tiere ausgesetzt sind, reduzieren, sagt Philipp Schwedhelm.

Konkret wird den Affen beigebracht, bei den Experimenten gut mitzumachen. Sie sollen beispielsweise von sich aus in die Apparatur reinklettern, wo das Experiment stattfindet. Aber positives Konditionieren heißt in diesem Fall eben auch, dass den Tieren der Zugang zu Wasser entzogen wird, damit sie besser mitmachen. Sie dürfen erst anschließend trinken – als Belohnung.

Kritiker wie der Verein Ärzte gegen Tierversuche lehnen solche Methoden ab: Sie sagen, die Tiere würden auch durch das Training leiden, zum Beispiel wenn sie kein Wasser bekommen. Der mögliche Nutzen solcher Forschung gehe gegen Null, heißt es auf der Website.

Müssen solche Versuche noch sein?

Spurlos gehen die Versuche an den Tieren nie vorbei. Deshalb wird auch an Alternativen geforscht – zum Beispiel an Computersimulationen oder Miniaturnachbildungen von echten Organen, an denen man bestimmte Mittel testen kann. Aber diejenigen, die Tierversuche selbst machen, sagen: Diese Alternativen sind bis jetzt nicht noch nicht gut genug, um auf die Versuche komplett zu verzichten.

3R-Kriterien: Replace, Reduce, Refine

Stattdessen gilt es den Forschenden, die sogenannten 3R-Kriterien zu erfüllen. 3R bedeutet: Replace, Reduce, Refine.

  1. Wo es geht, Tierversuche ersetzen
  2. Wo das nicht geht, die Zahl der Tiere reduzieren
  3. Ganz grundsätzlich: die Methoden verbessern, damit die Auswirkungen auf die Tiere weniger gravierend sind

Am Ende bleibt es eine ethische Frage: Will man möglichst gute und sichere Forschungsergebnisse und nimmt dafür in Kauf, dass Affen und andere Tiere leiden oder auch sterben müssen? Oder findet man das Tierwohl wichtiger.

  • Moderatorin: Tina Howard
  • Gespräschpartner: Markus Meyer-Gehlen, Deutschlandfunk-Nova-Reporter