Mindestens zwei Attentäter sollen für die Anschläge in Brüssel verantwortlich sein. ARD-Terrorismus-Experte Michael Götschenberg sagt, sie arbeiteten wahrscheinlich abgestimmt, aber unabhängig voneinander. Genau das macht es schwer, solche Attentate zu verhindern.

Bei Anschlägen in der belgischen Hauptstadt wurden heute Vormittag mindestens 34 Menschen getötet. Man gehe von einem islamistisch motivierten Anschlag aus. "Es deutet einiges darauf hin", sagt ARD-Terrorismus-Experte Michael Götschenberg, "dass es sich um das dasselbe Netzwerk handelt, das im November in Paris 130 Menschen tötete". Zu diesem Netzwerk gehört auch der mutmaßliche Paris-Attentäter Salah Abdeslam, der am Freitag im Brüsseler Stadtteil Molenbeek festgenommen wurde. Seit seiner Festnahme galt die zweithöchste Terrorwarnstufe in Brüssel.

"Man muss feststellen, dass Anschläge wie in Paris und Brüssel jederzeit und überall passieren können."
Michael Götschenberg, ARD-Terrorismus-Experte

Seit Monaten haben die Ermittlungsbehörden die Islamistenszene in Belgien beobachtet, mit Hochdruck nach dem Flüchtigen gefahndet und immer wieder Razzien durchgeführt. Im Rahmen der Ermittlung konkretisierten sich Erkenntnisse, sagt Terrorismus-Experte Götschenberg, dass ein sehr großes Netzwerk dahinter steht: "Es handelt sich um mindestens 30 Personen, die gut organisiert, sehr gewaltbereit und mit schweren Waffen ausgestattet sind."

Der genaue Zusammenhang zur Festnahme am Freitag sei noch unklar. Möglich sei, dass der Fahndungsdruck so hoch war, dass die Attentäter sich jetzt entschlossen, dass Attentat ausgerechnet jetzt durchzuführen. Es sei aber auch möglich, dass die Anschläge ein Racheakt seien nach der Festnahme von Salah Abdeslam.

Zwei Teams – koordiniert, aber unabhängig

Für ein organisiertes Vorgehen sprechen auch die heutigen Anschläge, sagt Michael Götschenberg. "Ähnlich wie in Paris gab es zwei Teams. Diese Attentäter operierten zwar abgestimmt aber unabhängig voneinander." Die große Sorge sei, dass es weitere nachgelagerte Anschläge geben könnte und weitere Attentäter unterwegs sein könnten. Zwar gebe es Kritik an den belgischen Sicherheitsbehörden, dass sich das islamistische Netzwerk in Brüssel in den vergangen Jahren relativ unbemerkt aufbauen konnte. Michael Götschenberg macht aber klar, "dass man Anschläge wie diese kaum verhindern kann."

Prestigeträchtige Anschlagsziele

Am Flughafen, in der U-Bahn und im Europäischen Viertel: Die Attentäter haben Anschlagsziele gewählt, an denen sich viele Menschen aufhalten. Öffentliche Verkehrsmittel und Flughäfen sind frei zugänglich. Die Anschläge passen damit in das Muster, das wir aus der Vergangenheit kennen, sagt Michael Götschenberg: "Ziel eines jedes Anschlags ist es, möglichst viele Menschen zu töten. Der Anschlag soll möglichst spektakulär sein."

Erhöhte Sicherheitsroutine

In ganz Europa, vor allem in den Nachbarländern werden an zentralen Orten die Sicherheitsvorkehrungen hochgefahren: An Flughäfen und Bahnhöfen etwa oder an den Grenzübergängen. "Das sind die üblichen Maßnahmen. Es deutet aber nichts darauf hin, dass sich die Sicherheitslage in Deutschland unmittelbar verschärft", sagt Michael Götschenberg.

Bislang gebe es keine Hinweise auf einen Deutschlandbezug der Täter von Brüssel, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière, betonte aber dass die gewählten Ziele dafür sprächen, dass der Anschlag nicht nur Belgien galt. Der französische Präsident François Hollande sagte: "Der Terrorismus hat Belgien getroffen, aber Europa war das Ziel, und die ganze Welt ist betroffen."