Depressionen, Angst oder Schizophrenie kommt bei Menschen, die in der Stadt wohnen, häufiger vor als bei Menschen, die es aufs Land verschlagen hat. Wer sich wo wohlfühlt, das ist aber Mentalitätssache, sagt Buchautor Mazda Adli. 

Die Schnelllebigkeit, der Lärm, der viele Hundekot auf den Bürgersteigen ... Ja, es gibt viele Faktoren, die in der Stadt stressen. Arzt und Buchautor Mazda Adli legt den Fokus aber auch auf soziale Phänomene wie Isolation. Und das, obwohl wir in der Großstadt umgeben sind von vielen Menschen. 

"Stress entsteht, wenn soziale Dichte um einen herum und gleichzeitig soziale Isolation aufeinandertreffen."
Mazda Adli hat das Buch geschrieben "Stress and the City"
© Charité
Mazda Adli

Problematisch wird es dann, wenn die Betroffenen nicht das Gefühl haben, etwas daran ändern zu können, es selbst in der Hand zu haben. Mazda Adli empfiehlt, sich mit der Nachbarschaft bekannt zu machen. Er sagt: Nachbarn schaffen Netzwerke und bieten Hilfe an. Wer alleine bleibt, merkt das nicht selten auch gesundheitlich. Depressionen, Angsterkrankungen und Schizophrenie kommen in Städten häufiger vor als auf dem Land. 

Plätze zum Verweilen gegen soziale Isolation

Um sich in der Großstadt wohlzufühlen, wäre es sogar ideal, mit den Nachbarn zusammen auf einem Platz in der Stadt Zeit zu verbringen. Plätze, die zum Verweilen einladen und so zu Orten der Begegnung und des Austauschs werden, schätzt Mazda Adli als sehr wichtig ein. Und er warnt: Wer es genießt, am Wochenende aufs Land zu fahren, wird nicht unbedingt glücklich, wenn er auch dorthin zieht.  

"Ganz oft kommen Menschen, die sich das Landleben entspannt und romantisch vorgestellt haben, enttäuscht wieder zurück, weil sie dort keinen Anschluss gefunden haben."

Dörfliche Gemeinschaften haben zwar eine starke Verbindung, die sich unterstützen, von außen ist es aber schwer, da rein zu kommen. 

Wo wir uns letztlich wohlfühlen, in der Stadt oder auf dem Land, sei Mentalitätssache. Unsere Herkunft schätzt Mazda Adli zwar als identitätsstiftend ein, die sei aber nicht alleine ausschlaggebend. 


Das Buch: 

Mazda Adli: "Stress and the City"; C. Bertelsmann; 384 Seiten; 19,99 Euro


Mehr über Mazda Adli auch bei Deutschlandfunk Kultur: