Bundesagrarminister Christian Schmidt will aufräumen im Wurstregal. Vegane und vegetarische Produkte, die unter dem Label "Wurst" oder "Schnitzel" laufen, seien irreführend. Aber wie sollen sie dann heißen? Wir haben uns auf Namenssuche begeben.

Die Debatte um fleischlose Wurst hat der Agrarminister kurz vor der alljährlichen CSU-Klausur-Tagung im Januar losgetreten. In einem Interview mit der Bild-Zeitung forderte er nicht nur Schweinefleisch für Kita-Kantinen, sondern auch neue Bezeichnungen für vegetarische Fleischersatzprodukte wie "vegane Wurst" oder "Veggie-Schnitzel". Diese seien "komplett irreführend", sagte er.

Lebensmittel wörtlich genommen

Schon kurz nach der Meldung überschlugen sich unter dem Hashtag #verbrauchertaeuschung Tweets mit Vorschlägen für weitere missverständliche Lebensmittel-Formulierungen. Was ist etwa mit "Fruchtfleisch" und "Kinderschokolade"?

Wie notwendig eine Umetikettierung ist, dazu gab es unterschiedliche Meinungen - das zeigt auch unsere Umfrage bei Facebook. Einige kritisieren, dass die Bezeichnung "vegetarisch" auf den Produkten zu klein sei. Andere fanden, die Unterscheidung sei sonnenklar, meistens seien die Produkte auch entsprechend einsortiert. Und bei verarbeiteten Lebensmitteln lohne sich ohnehin immer ein Blick auf die Zutatenliste.

Aber zurück zu Schmidts Vorschlag: Gibt es denn noch einen besseren Namen für diese Fleisch nachempfundenen pflanzlichen Produkte?

Geht es besser mit Vurst?

Nachgefragt bei Manfred Gotta. Er ist einer der bekannteste Namenserfinder Deutschlands und hat schon Markennamen wie Smart, Twingo, Megaperls, Evonik oder Targo-Bank erschaffen. Einen Auftrag, einen neuen Namen für Fleischersatz zu erfinden, würde er ablehnen. "Ganz ehrlich gesagt, ich halte es für eine Schnapsidee und offensichtlich unterschätzt er das Wissen der Verbraucher. Mittlerweile, glaube ich, wissen mehr als 90 Prozent, was vegan bedeutet", sagt der Namensspezialist.

"Ich kann ja nicht aus Frikadellen jetzt Veggidellen machen oder aus Salami Veggalami. Das wird alles ein bisschen kompliziert. Und das ganz große Problem ist: Ich muss ja immer neue Namen erklären."
Manfred Gotta, Werbetexter und Spezialist für Markennamen

Schade eigentlich. Denn die DRadio-Wissen-User hatten sich bei unser Facebook-Namenssuche bereits ausgetobt. Von "Vurst", "Veggie-Brät", "Gemüserolle" über "Schmidtzel" war einiges dabei. Und auch im Kühlregal gibt es bereits Produkte, die sich zwar an fleischhaltigen Vorbildern orientieren, aber ganz anders heißen: zum Beispiel "Soja-Sticks" oder "Tofu Griller". Das Problem bleibe aber, sagt Manfred Gotta, dass die dann immer noch den Zusatz "wurstähnliches Fleischersatzprodukt" benötigen.

"Das wird ein Verbraucher nicht kaufen. Der Verbraucher will ganz klar und einfach wissen, was kauf ich da."
Manfred Gotta, Werbetexter und Spezialist für Markennamen

Für etwas Entspannung in der Wurstdebatte könnte ein Blick auf die Definition des Produkts sorgen. Denn hier gibt es auch Definitionen, die etwas mehr Interpretationsspielraum lassen. Laut Duden ist eine Wurst einerseits "ein Nahrungsmittel aus zerkleinertem Fleisch und Gewürzen". Andererseits aber auch "Etwas, was wie eine Wurst aussieht, die Form einer länglichen Rolle hat."