Bald wird in der Bundesliga wieder gespielt – vor leeren Rängen. Dabei sind für die Deutsche Fußball Liga die Umsätze das eigentlich Wichtige, sagt der Journalist Rafael Buschmann.

Für die Deutsche Fußball-Liga (DFL), dort sind die Männervereine der ersten und zweiten Bundesliga organisiert, ist die Corona-Pandemie in erster Line ein ökonomisches Problem. Der Spielbetrieb war seit Mitte März 2020 ausgesetzt, von Mitte Mai an wird es wieder Spiele vor leeren Rängen geben. Darauf einigten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten (Stand 06.05.2020).

Ende März hatte die Organisation verschiedene Maßnahmen bei der Lizenzierung angekündigt - also bei der Entscheidung, wer in den Ligen mitspielen darf. Sie betreffen Veränderungen bei der Prüfung der Finanzen der Clubs und berücksichtigen potenzielle Liquiditätsprobleme der Vereine.

DFL mit Reformansätzen

Christian Seifert, Chef der DFL, findet inzwischen, es müsse möglich sein, Gehälter von Spielern zu deckeln. Damit reagierte er wohl auch auf die offene Kritik von Fans an enormen Spielergehälter, gigantischen Ablösesummen und – bereits früher im Jahr 2020 – einem mit Blattgold überzogenes Steak für den Fußballspieler Franck Ribéry.

Für "Spiegel"-Journalist Rafael Buschmann ist der Manager Christian Seifert für den Umbau des Fußballs zu einem finanzintensiven Business entscheidend mitverantwortlich.

"Christian Seifert war derjenige, der Gelder und die Margen für den Fußball erst zugänglich gemacht hat, indem er diese riesigen TV-Verträge verhandelt hat."
Rafael Buschmann, Journalist beim "Spiegel" und Fußballfan

Rafael Buschmann freut sich, wenn die Bundesliga wieder spielt. Glaubwürdigkeit habe sie aber massiv verloren. Fußball fühle sich an wie eine reine "Geldverdienmaschine".

Rafael Buschmann hat das Finanzgebaren der Fußballindustrie untersucht und war an den Presse-Veröffentlichungen rund um die Plattform Football-Leaks beteiligt. Er ist überzeugt, dass der Fußball als eine der ersten Branchen zu den alten Geschäftsmethoden vor der Pandemie zurückkehren wird.

"So richtig daran glauben, dass sich im Fußball fundamental etwas ändert, kann ich nach all den Erkenntnissen der letzten Jahre nicht mehr."
Rafael Buschmann, Journalist beim "Spiegel" und Fußballfan

Rafael Buschmann weist darauf hin, dass viele Vereine Geld ausgegeben haben, das noch nicht in ihrer Kasse war. Sie hätten durch den Verkauf von Namensrechten, Fernsehgeldern, Vip-Logen-Plätzen im weiteren Sinne Schulden gemacht und in der Regel kein Geld zurückgelegt. Die Clubs zu verpflichten Rücklagen zu bilden, fände er sinnvoll. Die DFL könne solche Mechanismen durchaus etablieren.

Finanzielle Intransparenz

Die Justiz hätte durchaus noch Spielraum bei Kontrollen. Finanzrechtlich unsaubere Transkationen gäbe es im Umfeld der deutschen und europäischen Ligen wohl noch genug aufzudecken.

"Der Fußball ist mittlerweile ein intransparenter Markt mit unterschiedlichen vorgeschalteten Unternehmen und Firmen, die Geld ganz aktiv herausziehen und auch in Steueroasen verfrachten."
Rafael Buschmann, Journalist und Fußballfan

Am 06.05.2020 haben sich Bundesregierung und Bundesländer darauf geeinigt, dass es ab Mitte Mai wieder mit dem Profifußball losgehen soll. Bis Ende Juni sollen alle Spiele der Saison absolviert sein. Wir haben mit Maximilian Rieger aus unserer Sportredaktion gesprochen, auch über die ökonomischen Aspekte, die Rolle der Gesundheitsämter und welche Lockerungen im Sport noch anstehen. Er sagt, dass von der Bundesliga rund 56.000 Jobs abhängen. Darunter sind zwar auch die Spieler mit ihren Millionengehältern, aber auch viele 400,-Euro-Jobber und Teilzeitarbeitende.

Maximilian Rieger, Deutschlandfunk Sportredaktion
"56.000 Jobs hängen direkt oder indirekt davon ab – viele 400,- Euro Jobber oder Teilzeitstellen nicht nur die Spieler"

Das ganz Gespräch mit Maximilian Rieger könnt ihr hier nachhören.