Selbstbewusst, ehrgeizig und klar konservativ - so hat es Jens Spahn in den engeren Führungskreis der CDU geschafft. Und es vergeht kein Tag, an dem er sich nicht über ein Thema äußert, das ihn als Gesundheitsminister eigentlich gar nicht betrifft.  

Jens Spahn findet, dass die europäische Grenzschutzorganisation Frontex 100.000 Mitarbeiter braucht, er äußert sich zu Hartz IV und er will die AfD überflüssig machen. Noch hat Jens Spahn anscheinend genügend Zeit, um sich in viele Themen einzumischen, die mit seinem Gesundheitsministerium eigentlich gar nichts zu tun haben.

"Noch", sagt Ulrike Winkelmann aus unserer Hintergrundredaktion, "der Ministerialbetrieb, der darin besteht, Gesetze auszuarbeiten und vorzustellen und dann auch durch das Plenum im Bundestag zu bringen, der ist ja noch nicht richtig angelaufen." Solange hat Jens Spahn jetzt also noch Zeit, sich zu allen möglichen Themen zu äußern und dadurch zu zeigen, was er alles kann und welche Themen ihn interessieren.

"Das folgt sicherlich einer Strategie, die da lautet: Ich habe so viele Themen drauf und habe so wenig Angst, mich zu allem zu äußern, dass ich mich damit als potenzieller Kanzlernachwuchs ins Gespräch bringe."
Ulrike Winkelmann, Deutschlandfunk-Nova-Hintergrundredaktion

Jens Spahn äußert sich vor allem zu populären Themen, mit denen er sich klar als konservativer Politiker am rechten Rand positioniert. "Dadurch möchte er natürlich Anschlussfähigkeit der CDU und insbesondere seiner eigenen Person ins rechte Lager der Union signalisieren und möglicherweise auch AfD-Wähler zurückgewinnen", schätzt Ulrike Winkelmann ein.

"Er weiß ziemlich genau, wie er welche Provokation platziert."
Ulrike Winkelmann, Deutschlandfunk-Nova-Hintergrundredaktion

Die Journalistin Ulrike Winkelmann ist sich sicher, dass Jens Spahn medial gute Berater hat und genau weiß, wann er welches Thema platzieren muss, damit es im Wortlaut erst einmal – jenseits des Kontextes – harmlos klingt: "Aber man weiß genau, wie er es gemeint hat. Und es ist auch genau so eingestreut, dass sich diejenigen provoziert fühlen, die provoziert werden sollen und diejenigen angesprochen fühlen, die eingenommen werden sollen."


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