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Es sind noch zwei Wochen bis zur Bundestagswahl. Gerade jetzt gibt es viele Wahlumfragen. Haben sie einen Einfluss auf unsere Wahlentscheidung?

Fast täglich gibt es nun eine neue Wahlumfrage zur Bundestagswahl am 26. September. Die Medien berichten gerne darüber, wer gerade vorne liegt, welche Partei Prozentpunkte abgeben musste und wer nun größte Chancen hat, die Regierung zu bilden.

Aber was macht das mit den Wählerinnen und Wählern? Lassen sie sich vielleicht sogar in ihrer Wahlentscheidung beeinflussen, wenn sie sehen, dass eine bestimmte Partei besonders gut steht in den Umfragen?

Einfluss von Wahlumfragen aufs Wahlergebnis eher gering

Sigrid Roßteutscher ist Politikwissenschaftlerin an der Uni Frankfurt und Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Wahlforschung und sie erklärt: Wahlumfragen sind keine Wahlergebnisse.

Viele Menschen würden die Wahlumfragen gar nicht erst mitbekommen, sagt die Wissenschaftlerin. "Dann gibt es einen Teil der Wählerinnen und Wähler, die bekommen sie zwar mit, sind aber so verheiratet mit einer Partei, dass sie sowieso die wählen." Schließlich gebe es noch einen sehr kleinen Teil in der Wählerschaft, der sich tatsächlich durch Wahlumfragen beeinflussen lasse.

"Es gibt eine ganze Menge Leute, die diese Wahlumfragen gar nicht mitbekommen."

Das sind die Leute, die wissen wollen, wie sie ihre Stimme am sinnvollsten einsetzen können. "Das ist das, was wir taktisches oder strategisches Wählen nennen", sagt Sigrid Roßteutscher. Die haben zum Beispiel Interesse daran, dass wir in Deutschland eine rechtsgeführte oder eine linkgsgeführte Regierung haben – und dann entscheiden sie sich für die CDU oder die SPD, obwohl sie unter anderen Umständen sonst vielleicht FDP oder Grüne gewählt hätten.

Viele Menschen haben aber gar keine so konkreten Wahl-Präferenzen. Der Anteil der Wechselwählenden steigt und es gibt mehr Unentschlossene. Bei der Bundestagswahl 2017 hätten die Statistiken gezeigt, dass sich 20 Prozent der Menschen erst am Wahltag für eine Partei entschieden haben, sagt Sigrid Roßteutscher. Ob diese Gruppen die Wahlumfragen überhaupt wahrnehmen, sei völlig unklar.

"Wir sind den ganzen Tag umgeben von Partnern, von Freundinnen, Social Media. Umfragen holen uns aus unserer Blase raus und geben uns einen objektiveren Blick auf das Geschehen."

Auch wenn sie den Einfluss der Wahlumfragen auf das schlussendliche Wahlergebnisse als gering ansieht, findet Sigrid Roßteutscher die Umfragen trotzdem sehr wichtig: "Wahlumfragen sind immer noch die objektivste Information, die wir bekommen können."

Eine Einzelperson stecke immer in einer Blase, so die Politikwissenschaftlerin. Wir haben Freunde, Partnerinnen, Kolleginnen auf der Arbeit, Bekannte auf Social Media und so weiter. "Das sind alles kleine Blasen", sagt Sigrid Roßteutscher. "Umfragen holen uns aus unserer Blase raus." Sie seien zwar nur Stimmungsbilder an einem Tag vor der Wahl – aber immer noch weitaus korrekter und objektiver als Stimmungen aus unserem Freundeskreis oder dem Arbeitsplatz.