Fast drei Millionen Menschen konnten zum ersten Mal wählen. So haben sie und andere jüngere Menschen insgesamt bei der Bundestagswahl abgestimmt.

2,8 Millionen Menschen konnten bei der Bundestagswahl zum ersten Mal wählen. Insgesamt sind das 4,6 Prozent der Wahlberechtigten. In dieser Altersgruppe haben Bündnis 90/Die Grünen mit 23 Prozent die meisten Stimmen bekommen – gefolgt von der FDP – mit 21 Prozent. SPD und Union liegen bei den jungen Wählenden auf den Plätzen drei und vier.

Konkret erreicht die SPD hier 15 und CDU/CSU 10 Prozent. Bundesweit sind bei den Nachwahlumfragen unter jungen Wählenden Bündnis 90/Die Grünen am stärksten. 14 Prozent der Wählenden sind unter 30, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Grit Eggerichs.

"Die Grünen stehen für Klimaschutz – das Thema, das einem Großteil der Jungwählenden am wichtigsten ist."
Grit Eggerichs, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Hätten die jungen Menschen für sich abgestimmt, wäre die Linke mit acht Prozent in den Bundestag eingezogen, sagt Grit – auch ohne Direktmandate. Die AfD haben sieben Prozent der Jungen gewählt. Diese Partei erreicht bei Menschen unter 25 im Bundesdurchschnitt deutlich weniger als ihr tatsächliches Wahlergebnis.

AfD stark in Sachsen und Thüringen

Für die Bundesländer Thüringen und Sachsen gebe es noch keine konkreten Zahlen, berichtet Grit. Dort gibt es – wie für die anderen Bundesländer auch – nur Befragungen von unter 18-Jährigen. In beiden Ländern hätte demnach auch in dieser Gruppe die AfD die meisten Stimmen bekommen. Jüngere zeigten dort also eine größere Nähe zum Wahlverhalten älterer Menschen, sagt Grit.

"In Thüringen und Sachsen wäre die AfD bei den Jüngsten auch stärkste Kraft geworden – in Sachsen, gefolgt von den Grünen, in Thüringen gefolgt von der FDP."
Grit Eggerichs, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Jugendforscher Klaus Hurrelmann weist ganz allgemein darauf hin, dass ostdeutsche Wählende besonders konservativ seien. Andere Forschende aus der Politikwissenschaft sind der Ansicht, dass die AfD gerade in Sachsen das Image einer pragmatischen und unideologischen Partei pflege. Das sei für junge Wählende attraktiv. Sie wollten vor allem Streit und Grabenkämpfe vermeiden.

Erfolg der FDP-Kampagne

Dahinter liegt dann die FDP. Grit vermutet, dass jugendlich wirkende Äußere des Spitzenkandidaten Christian Linder komme gut an. Sie meint außerdem, das Image der coolen Macher und Modernisierer habe die FDP-Kampagne auch vor dieser Wahl gut rübergebracht.

Die Liberalen haben ihr Image als die Freiheitsliebenden schlechthin unter den deutschen Parteien noch mal gut aufpoliert. Das komme gerade nach den Einschränkungen während der Pandemie wohl gut an, vermutet Grit.

Auch das Geschlecht der Spitzenkandidierenden spielte beim Wahlverhalten eine Rolle. Die junge Wählerin Leni – sie hat Bündnis 90/Die Grünen gewählt – hat darauf gehofft, dass Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock und ihre Partei die Bundestagswahl gewinnen und aus der Kanzlerinnenschaft eine Tradition wird.

"Irgendwie hat man sich daran gewöhnt, dass wir in Deutschland eine Kanzlerin haben. Ich werde ein bisschen traurig sein, dass es keine Kanzlerin wird."
Leni, Erstwählerin, über das Ergebnis der Bundestagswahl 2021