Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verleiht am Freitag (30.09.) das Bundesverdienstkreuz – an 21 Menschen, die "in herausragender Weise dazu beitragen, Lösungen für die globalen Herausforderungen unserer Zeit" zu finden. Über eintausend Menschen werden jedes Jahr ausgezeichnet – meistens nicht vom Präsidenten persönlich.

Im Schloss Bellevue in Berlin wird es am Freitag (30.09.) etwas voller. Der Bundespräsident hat 21 Menschen eingeladen, sich den "Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland" (umgangssprachlich: Bundesverdienstkreuz) abzuholen – für besondere Leistungen auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellem, geistigem oder ehrenamtlichem Gebiet. Darunter sind zum Beispiel:

  • Ex-Fußballprofi Neven Subotic, der eine Stiftung gegründet hat, um Brunnen in Afrika zu bauen
  • Astronaut Matthias Maurer, der als ISS-Astronaut für Völkerverständigung und internationale Zusammenarbeit in der Wissenschaft wirbt
  • Axel Scheffler, der Autor des berühmten Kinderbuches "Grüffelo"
  • eine Frau aus Jena, die ukrainische Gegenwartsliteratur ins Deutsche übersetzt
  • ein Wissenschaftler, der sich für den Schutz von Mooren einsetzt
  • die Ärztin, die im Januar 2020 die erste Corona-Infektion in Deutschland diagnostiziert hat und sich bis heute im Kampf gegen das Virus engagiert

Weil am Montag (03.10.) der Tag der deutschen Einheit ist, gibt sich Frank-Walter Steinmeier dieses Mal selbst die Ehre, die Auszeichnung zu vergeben. Meistens übernehmen das sonst stellvertretend die Ministerpräsident*innen der Länder oder auch Bürgermeister*innen.

Bundesverdienstkreuz: Über 1.000 Orden im Jahr

Warum, wird klar, wenn man sich die Zahl der Bundesverdienstorden anschaut, die vergeben werden: In den letzten Jahren bekamen jährlich mehr als 1.000 Menschen den Bundesverdienstorden. 2021 waren es exakt 1.111. Früher waren es sogar mehrere tausend Auszeichnungen pro Jahr.

Insgesamt gibt es acht verschiedene Auszeichnungsstufen – wenn man die Sonderstufe des "Großkreuzes in besonderer Ausführung" noch dazurechnet, das zum Beispiel Queen Elizabeth II. 1992 bekam, sind es sogar neun. In der "Basisversion" gibt es die Verdienstmedaille und das Verdienstkreuz. Das bekommt man in der Regel erst, wenn man über 40 ist. Bei der Medaille gibt es keine Altersbeschränkung.

"Jede und jeder kann eine Person anregen, bei der man denkt: Der oder diejenige hat das verdient, weil die Person zum Beispiel gesellschaftlich oder sozial besonders engagiert ist."
Dominik Peters, Deutschlandfunk Nova

Grundsätzlich kann jede und jeder eine Person für das Bundesverdienstkreuz vorschlagen. Das läuft über ein Formular bei den Staats- bzw. Senatskanzleien der Länder. Und bei nicht-deutschen Kandidat*innen über das Auswärtige Amt. Jede vorgeschlagene Person wird dann überprüft: Was macht sie so? Wie engagiert ist sie wirklich? Aber auch: Ist sie vielleicht schon mal straffällig geworden? Das wäre nämlich ein Ausschlusskriterium.

Prüfung der Kandidat*innen

Wenn die Prüfung positiv ausgeht, schlagen die sogenannten "Vorschlagsberechtigten" – das sind die Ministerpräsident*innen des Bundeslandes, in dem die Person gemeldet ist – sie dann offiziell beim Bundespräsidenten für das Bundesverdienstkreuz vor.

Der Bundespräsident hält sich grundsätzlich an die Vorschläge der Länder, heißt es beim Bundespräsidialamt. Sich selbst vorschlagen geht übrigens nicht.

"Sich selbst vorschlagen kann man nicht. Und das Bundesverdienstkreuz wird in aller Regel auch nicht nach dem Tod verliehen."
Dominik Peters, Deutschlandfunk Nova

Dieses Mal werden elf Frauen und zehn Männer ausgezeichnet. Doch die gleichmäßige Verteilung trügt: Laut Bundespräsidialamt bekommen deutlich weniger Frauen den Orden als Männer.

Deutlich weniger Frauen ausgezeichnet

In den vergangenen zehn Jahren lag der Frauenanteil immer nur bei etwa einem Drittel – und das lässt sich nicht damit erklären, dass sie weniger engagiert wären. Dem Bundespräsidenten sei es "ein besonderes Anliegen, Frauen stärker zu würdigen", heißt es dazu offiziell. Das Bundespräsidialamt ruft dazu auf, ihm Vorschläge für engagierte Frauen zu schicken, die es verdient haben, ausgezeichnet zu werden.

Außer Stolz und Ehre bekommt man keine besonderen Privilegien, wenn man das Bundesverdienstkreuz bekommen hat. Es gibt also zum Beispiel kein Preisgeld und es steht danach auch nicht im Personalausweis. Die Rechte und Pflichten bleiben dieselben wie bei allen anderen Bürger*innen auch. Und wenn Ausgezeichnete straffällig werden, etwa wegen Steuerhinterziehung, kann ihnen der Orden auch wieder aberkannt werden.

Übrigens: Während der symbolische Wert des Bundesverdienstkreuzes hoch ist – nur wenigen Bürger*innen wird dieses Ehre zuteil – ist das bei der Qualität des Ordens wohl weniger der Fall. Die Produktionskosten sind offenbar ziemlich niedrig.

  • Moderation:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartner:  Dominik Peters, Deutschlandfunk Nova