Dies ist die Geschichte von Rainer Maria Kreten. Sie spielt 1978. Rainer Maria ist 19 Jahre alt, leistet seinen Wehrdienst bei der Bundeswehr. Und er begeht eine kleine kleine Dummheit, die den Geheimdienst auf den Plan ruft.

Sommer 1978. Rainer Maria hat gerade sein Abitur in der Tasche, ist frisch verliebt und wehrpflichtiger Bundeswehrsoldat an einem Standort in den Niederlanden. Der militärische Schliff und die Trennung von Familie und Freundin sind schwer zu ertragen, und mehrmals in der Woche telefoniert Rainer Maria mit zu Hause.

Telefonieren - das hieß damals noch in einer Schlage vor einer der wenigen Telefonzellen anstehen. Und war man an der Reihe, rasselten die Münzen in Windeseile durch den Apparat.

Fast ein Kinderspiel

Rainer Maria ist begeistert von Technik, hat vor kurzem die Prüfung als Funkamateur bestanden und auch an dem einen oder anderen Funkgerät herumgeschraubt. Bei einem Abendspaziergang fällt ihm ein Stahlgitterturm inmitten der weitläufigen Kiefernwälder auf. Und er bemerkt eine Telefonleitung aus blanken Drähten, die dort hinaufführt. Er zapft sie kurze Zeit später an.

"Das ging ganz einfach. Diese Leitung hing so verführerisch in Augenhöhe, das hat mich in den Fingern gejuckt."
Rainer Maria Kreten
Ein Mann mit Funkgerät
© Rainer Maria Kreten
Rainer Maria Kreten - 1977 und heute.

Doch wie das so ist mit solchen Geschichten - die Sache geht nicht lange gut. Rainer Maria fliegt auf. Die Polizei ertappt ihn auf frischer Tat und nimmt ihn fest. Rainer Maria ist geständig. Eigentlich sollte die Bagatelle nun erledigt sein. Ist sie aber nicht. Sie ruft die Fantasie des MAD auf den Plan. Mitten in Zeiten des Kalten Kriegs kommen die Geheimdienstler auf die wildesten Gedanken. Und bescheren Rainer Maria eine schwere Zeit.

"Ich habe gemerkt, wie belastend das sein kann, wenn man mit solchen Anschuldigungen konfrontiert wird."
Rainer Maria Kreten