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Dass Jesus von Nazareth gelebt hat, gilt als historisch sehr gut belegt. Der exakte Geburtstag sowie das Geburtsjahr des jüdischen Wanderpredigers aus Galiläa sind dagegen unbekannt. Vermutlich wurde er ungefähr 6 v. Chr. geboren.

Unsere christliche Zeitrechnung (neben ihr gibt es zum Beispiel auch noch die jüdische, islamische, buddhistische, chinesische und persische) geht auf den römischen Mönch Dionysius Exiguus zurück.

Er verwendete die bereits existierende Zählung "ab urbe condita" (AUC) – eine Zeitrechnung, die sich auf die Gründung Roms im Jahr 753 v. Chr. bezog. Dionysius Exiguus setzte die Geburt Christi auf AUC 754 fest. Das entsprach ungefähr dem Jahr 1 n. Chr., die Zahl Null war in Europa damals noch nicht gebräuchlich.

Jesus – die zentrale Gestalt des Christentums

Historiker gehen heute überwiegend davon aus, dass sich Dionysius hier um ein paar Jahre verrechnet hat. Zumeist wird Jesu Geburt auf etwa 6 bis 4 v. Chr. datiert – belegt wird das unter anderem mit der Regierungszeit von Herodes dem Großen. Nach der heute überwiegenden Auffassung starb er im Jahr 4 v. Chr.

Auch Jesu Geburtstag, den die Christen an Weihnachten feiern, ist lediglich eine liturgische Festlegung. Höchstwahrscheinlich ist er weder am 25. Dezember noch im Jahr 1 zur Welt gekommen. Seine Bedeutung schmälert das allerdings nicht.

Jesus wurde (höchstwahrscheinlich) nicht am 25. Dezember geboren

In dieser Folge Eine Stunde History beschäftigen wir uns mit dieser zentralen Gestalt des Christentums. Dafür sprechen wir mit den Wissenschaftlerinnen Annette Merz und Silke Petersen sowie dem Journalisten Markus Spieker.

Die Theologin Annette Merz ist Professorin für Kultur und Literatur des Frühchristentums an der Universität Utrecht. Sie hat sich mit der historischen Figur Jesus von Nazareth beschäftigt und stellt den biblischen Überlieferungen historische Sachverhalte gegenüber. Die Römer hatten zweifelsfrei Probleme mit Jesus und seinen Anhängern und unterstellten ihnen politisches "Aufrührertum". Es gilt als historisch gesichert, dass der jüdische Wanderprediger Jesus von Nazareth unter dem römischen Statthalter Pontius Pilatus gekreuzigt wurde.

"Die Tempelreinigung ist wahrscheinlich der Anlass gewesen, der dazu geführt hat, dass Jesus letztendlich gekreuzigt wurde."
Annette Merz, Professorin für Kultur und Literatur des Frühchristentums, Universität Utrecht

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Veronika von Borries schildert ausführlich die Auseinandersetzung zwischen Jesus und den Geldwechslern am Tempel in
Jerusalem. Jesus wurde dadurch zu einer Gefahr für die Finanzen der römischen Lokalaristokratie, erklärt Annette Merz.

Belegbare Fakten und Glaubensinhalte

Dass Jesu Eltern Maria (aramäisch: Mirjam) und Josef (aramäisch: Yosef) hießen, ist den Evangelien des Neuen Testaments der Bibel entnommen. Darüber hinaus gibt es keine unabhängigen zeitgenössischen Quellen über die Familie. Die Namen gelten aber zumindest insofern als wahrscheinlich, als dass sie im damaligen Palästina sehr häufig vorkamen.

Dass Jesus Gottes Sohn ist und von der Jungfrau Maria – also ohne Josefs Einwirken – geboren wurde, entzieht sich dagegen einer historischen wie naturwissenschaftlichen Überprüfung und ist eindeutig als Glaubensinhalt definierbar.

Die Bergpredigt: politisches Programm oder Leitfaden für die Lebensgestaltung?

Der ARD-Journalist Markus Spieker ist nicht nur Korrespondent in Neu-Delhi, sondern auch Pfarrerssohn, gläubiger Christ und Autor: Sieben Jahre hat er an seinem knapp tausend Seiten dicken Buch "Jesus. Eine Weltgeschichte" geschrieben. Markus Spieker erläutert im Gespräch die Bedeutung der Bergpredigt, die einerseits als ein Programm für individuelle Lebensgestaltung verstanden werden kann, andererseits aber auch als politisches Programm interpretiert wird.

"Ich finde es historisch viel interessanter, was für Frauen da in der Jesusnachfolge rumgelaufen sind, als was er über Frauen gedacht hat. Warum soll ich mich damit beschäftigen, was Männer über Frauen denken?"
Silke Petersen, Theologin und Professorin für Neues Testament an der Uni Hamburg

Jesusbewegung war männlich dominiert

Jesus hatte angeblich weder Ehefrau noch Kinder. Die Jesusbewegung war männlich dominiert, dabei spielten Frauen in seiner Umgebung durchaus eine bedeutende Rolle, erklärt die Hamburger Theologin Silke Petersen – die Professorin für Neues Testament geht der Frage nach, warum Frauen in der historischen Überlieferung zurückgedrängt wurden.

"Die christliche Lehre war über viele Jahrhunderte die Handreichung für das gesellschaftliche Zusammenleben, davon sind wir alle geprägt. Deshalb ist dieser Jesus von Nazareth auch für uns alle so wichtig – egal ob wir an Gott glauben oder nicht."
Dr. Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte

Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld erläutert zudem die historische Lage in den römischen Provinzen entlang der Levante zu Zeiten Jesu.

Shownotes
Circa 6 v. Chr.
Jesus von Nazareth und das Christentum
vom 24. Juli 2026
Moderation: 
Markus Dichmann
Gesprächspartner: 
Dr. Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte
  • Veronika von Borries schildert die Auseinandersetzung zwischen Jesus und den Geldwechslern am Tempel in Jerusalem.
  • Annette Merz hat sich mit der historischen Figur Jesus von Nazareth beschäftigt.
  • Markus Spieker erläutert die Bedeutung der Bergpredigt.
  • Silke Petersen erklärt, dass Frauen in Jesus' Umgebung eine bedeutende Rolle spielten.