Medizinisches THC

In Leuna wächst bald Cannabis – ganz ohne Sonne

2020 kommt einheimisches Cannabis in die Apotheken. Beim Anbau hat sich ein Pharmaunternehmen für ein Industriegebiet entschieden und für reines Kunstlicht. Der Geschäftsführer erklärt warum.

Seit März 2017 gibt es Cannabis auf Rezept in jeder Apotheke in Deutschland. Bislang stammen die hier käuflichen Produkte aber ausschließlich aus dem Ausland. Im Jahr 2020 kommt nun erstmals einheimisches medizinisches Cannabis auf den Markt. Drei Firmen werden dann voraussichtlich ihre erste Ernte einfahren – mit Erlaubnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte. Nach einem Losverfahren können die Firmen jetzt mit dem Bau der Cannabisplantagen beginnen.

Die Firma Aurora baut weltweit Cannabis an und verarbeitet die Blüten zu medizinischen Produkten. Voraussichtlich wird das Unternehmen im vierten Quartal 2020 das erste Mal in Deutschland produziertes Cannabis ausliefern. Die Ernte ist etwas früher geplant, danach folgen noch einige Verarbeitungsschritte.

Tonnenweise THC aus Deutschland

Hierzulande wird die Produktion in einer Indoor-Plantage in Leuna, Sachsen-Anhalt, starten. Philip Schetter, einer der beiden Geschäftsführer des Unternehmens, hat mit uns über die Bedingungen und Auflagen der geschäftsmäßigen THC-Produktion gesprochen: Aurora hat den Zuschlag für Lizenzen zur Produktion von einer bis 1,5 Tonnen jährlich gewonnen. Über den Pilotzeitraum von vier Jahren wird das Unternehmen eine Gesamtmenge von vier bis sechs Tonnen herstellen. Philip Schetter vermutet, dass nach dieser Phase eine größere Menge zur Ausschreibung kommt. Seine Firma sieht er in Deutschland auf einem stabilen Wachstumskurs.

"Stand heute gehe ich davon aus, dass die Menge nicht ausreichen wird. Ich vermute, dass es in Zukunft einen Mix aus lokaler Produktion und Importen geben wird."
Philip Schetter, Aurora Europe GmbH, Geschäftsführer

Zugelassen sind nur Pflanzen, die einen hohen Wirkstoffgehalt an THC erreichen. Die Cannabisblüten, die in der Plantage von Aurora in Leuna gewonnen werden, sind zum Inhalieren vorgesehen. Zwei Produkttypen sind in Deutschland zugelassen: Einerseits Cannabisblüten, die mit einem medizinischen Verdampfer vaporisiert werden, andererseits Extrakte, die oral, also über den Mund aufgenommen werden.

Viel Sicherheit, kein Sonnenlicht

Für den Aufbau der Produktion in Leuna war ein umfangreiches Konzept erforderlich: Unter anderem umfasste es den Bau, die technische Ausrüstung, das Pflanzenmaterial, die Prozess und insbesondere die Sicherheit.

Philip Schetter sagt, Aurora habe in Deutschland sehr hohe Sicherheitsauflagen erfüllen müssen, die weit über die Anforderungen in anderen Ländern hinausgingen. Dort betreibe die Firma auch Gewächshäuser. In Leuna wachsen die Pflanzen hingegen ohne Sonnenlicht. Das Gebäude gleiche einem Bunker, sagt der Geschäftsführer, und stehe außerdem in einem Biochemiepark. So sei es noch zusätzlich geschützt – Werkpolizei inklusive.

"Eigentlich bauen wir einen großen Bunker. Und in diesem Bunker haben wir eine Cannabisplantage stehen. Wir nutzen künstliches Licht, um die Pflanzen wachsen zu lassen."
Philip Schetter, Aurora Europe GmbH, Geschäftsführer