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Seit zwei Jahren kann man legal in Deutschland kiffen. Mit der Situation scheint aber niemand so richtig zufrieden: Weder die, die Cannabis konsumieren wollen, noch die Regierung. Und auch der Schwarzmarkt ist noch da. Wie könnte es besser laufen?

Das sogenannte Konsumcannabisgesetz gilt seit dem 1. April 2024. Karl Lauterbach, der frühere Gesundheitsminister, wollte dadurch ein alternatives Angebot zum Schwarzmarkt ermöglichen.

Die bürokratischen Hürden waren jedoch von Anfang an hoch. Die Regelungen und Kontrollen empfindet Friedemann Söffing, Vorstand des Cannabis Social Club in Weimar, als übertrieben streng und dadurch als unangemessen.

"Man wollte uns jetzt einfach etwas auferlegen, mit dem man uns das Leben offensichtlich so schwer wie möglich macht."
Friedemann Söffing, Cannabis Social Club in Weimar

Eine Zwischenbilanz einer Forschungsgruppe zur Teillegalisierung von Cannabis fasst die Entwicklung der vergangenen zwei Jahre zusammen. Zwar bauen immer mehr Leute Cannabis selbst an, bekommen das Rauschmittel aus einem der Social Clubs oder medizinisches Cannabis aus der Apotheke. Dadurch gehen Forschende wie Jakob Manthey davon aus, dass der legale Markt stärker wächst als der illegale, wie er dem ZDF gegenüber äußerte.

Dennoch ist die Rolle, die Cannabis Social Clubs bisher spielen, noch nicht so groß. Den Grund dafür sieht der Kriminologe Jörg Kinzig von der Uni Tübingen in den strengen Vorgaben. Er empfiehlt daher, "diese sehr restriktiven Zugangsbedingungen für die Anbau-Vereinigung etwas lockerer zu machen."

Neu verhängte Anbauanordnung in Thüringen verschärft notwendige Kontrollen

Einer der Streitpunkte ist die Frage, wie streng das Cannabis kontrolliert werden sollte, das in Clubs angebaut wird. Bisher gilt: Friedemann und der Cannabis Social Club in Weimar müssen wie alle anderen Clubs regelmäßig kontrollieren, welche Inhaltsstoffe im geernteten Cannabis stecken.

Gesundheitsgefährdung durch Verunreinigung

Dabei geht es zum Beispiel darum, wie viel THC im Cannabis enthalten ist. Aber auch um Schadstoffe, Schimmel, Schwermetalle und vieles mehr. Cannabis vom illegalen Markt wurde natürlich nie kontrolliert. Es kann viele gesundheitsgefährdende Substanzen enthalten wie Pestizide, Haarspray, Glas, Kokain und andere Zugaben.

In Thüringen wird zurzeit diskutiert, ob das Land die Schadstoffgrenzwerte für das Cannabis aus den Clubs viel zu streng festgelegt hat. Die Unboxing-News-Redaktion hat bei der zuständigen Behörde in Thüringen angefragt und die Antwort erhalten, dass die Kritik zwar nachvollziehbar, aber aus der Sicht der Behörde nur teilweise berechtigt sei.

Die Regeln seien bewusst streng gehalten, da es wichtig sei, dass eine "funktionierende Qualitätskontrolle" verunreinigtes Cannabis verhindert.

Cannabis Social Clubs: Mit den Auflagen steigen auch die Kosten

In Thüringen wurden die Auflagen verschärft: Für Cannabis aus gemeinschaftlichem Eigenanbau in Social Clubs gelten nun Medizinalwerte wie für medizinisches Cannabis, das mit bestimmten Verfahren nachbehandelt wird. Das geschieht, um die Werte für Schimmel, Hefen und Mykotoxine, die das Produkt verunreinigen können, möglichst niedrig zu halten.

Die Verfahren, die für medizinischen Cannabis angewendet werden, dürfen die Social Clubs nicht anwenden, sagt Friedemann Söffing. Dennoch ein genauso reines Produkt herzustellen, wird ein Zehnfaches der Kosten verursachen, schätzt der Vorstand des Cannabis Social Club in Weimar.

"Die Ämter und Behörden machen es uns nicht sehr einfach: Man merkt, dass sehr viel politischer Gegenwind aktuell auf uns zukommt."
Friedemann Söffing, Cannabis Social Club in Weimar

Auch die Kontrollen hält er für übertrieben: Die Grenzwerte für Inhaltsstoffe wie Schimmel, Hefen und Mykotoxine einzugrenzen und zu kontrollieren, ist für ihn nachvollziehbar. Dafür arbeitet der Verein eng mit einem Labor zusammen. Was Friedemann Söffing allerdings kritisiert, ist dass "das Amt versucht, uns jetzt in eine ganz andere Kategorie reinzudrücken, die Medizinalwerte betrifft."

Diese strengeren Vorgaben würden Tests erfordern, von denen auch das Labor abrät, mit dem Friedemann Söffing und sein Cannabis Social Club bereits zusammenarbeiten. Sie seien teuer und gleichzeitig überflüssig, so die Empfehlung des Labors gegenüber Friedemann Söffing. Die Vorgaben nicht zu erfüllen, könnte jedoch zu Lizenzentzug und zur Vernichtung von Cannabis-Chargen führen, die nicht die geforderten Medizinalwerte enthalten.

"Unser Laborpartner hat uns dringend davon abgeraten, diese Beprobungspraxis anzuwenden, weil die viel zu teuer ist. Der Mensch, der mit uns Geld verdient, rät uns ab, weil die Beprobung, wie sie jetzt vorgeschrieben wird, überflüssig ist."
Friedemann Söffing, Cannabis Social Club in Weimar

Ob die Teillegalisierung von Cannabis dafür gesorgt hat, dass die organisierte Kriminalität weniger Geld damit verdient, kann aus dem bisherigen Zwischenbericht nicht abgeleitet werden, sagt Korrespondentin Gudula Geuther aus dem Deutschlandfunk-Hauptstadtstudio. Oft dauert es viel länger, bis sich so eine Entwicklung zeigt, sagt unsere Korrespondentin.

"Es ist auch klar, dass es Jahre dauert, bis es Auswirkungen auf die organisierte Kriminalität gibt."
Gudula Geuther, Korrespondentin im Hauptstadtstudio

Dass das Gesetz eine Auswirkung auf die organisierte Kriminalität hat, davon geht der Kriminologe Jörg Kinzig von der Uni Tübingen allerdings aus, weil der Konsum in den letzten zwei Jahren kaum angestiegen sei, es gleichzeitig "aber eine Explosion bei den Importmengen über das Medizinal-Cannabisgesetz" gegeben habe.

Das Ziel, dass die Cannabis Social Clubs den Markt bestimmen und den Schwarzmarkt verdrängen, hat sich jedoch nicht so erfüllt, wie die Politik sich das erhofft hatte. Die Social Clubs machen derzeit nur circa 3,5 Prozent des Marktes aus. Deswegen fordern ein Mitautor des aktuellen Zwischenberichts, Jakob Manthey, der in der Sucht- und Präventionsforschung tätig ist, dass die restriktiven Rahmenbedingungen für Anbauvereinigungen gelockert werden sollten.

Ihr habt Anregungen, Wünsche, Themenideen? Dann schreibt uns an unboxingnews@deutschlandradio.de

Shownotes
Legalisierung light
Hat das Cannabis-Gesetz versagt?
vom 01. April 2026
Moderation: 
Ilka Knigge
Gesprächspartner: 
Friedemann Söffing, Cannabis Social Club in Weimar
Gesprächspartnerin: 
Gudula Geuther, Korrespondentin im Deutschlandradio-Hauptstadtstudio