Ab sofort ist der Konsum von Marihuana in Kanada legal. Was das konkret bedeutet - und warum Unternehmen auf den großen Boom hoffen.

Kiffen für alle – überall und so viel ich will – geht auch in Kanada nicht, sagt unser Korrespondent für Kanada Kai Clement. Kanadas Regierung wolle "den Markt entkriminalisieren" und durch Besteuerung der Produkte die Gewinne abschöpfen, die bisher Kriminellen zugeflossen sind. Außerdem sollen Kinder besser geschützt werden.

Unterschiede je nach Provinz

Das legale Mindestalter, ab dem Kiffen in Kanada nun erlaubt ist, liegt bei 18 bzw. 19 Jahren – je nach Provinz. Die Provinzen regeln für sich, wo Cannabis konsumiert werden und wer Cannabis verkaufen darf. In manchen Provinzen dürfen das nur die staatlichen Alkoholverkaufsstellen, in anderen sollen auch private, kommerzielle Geschäfte lizensiert werden.

Die Details seien ziemlich kompliziert und würden nach wie vor viele Fragen aufwerfen, sagt Kai Clement. Deshalb habe es auch so lange gedauert, bis die neuen Regelungen an den Start gehen konnten. Eigentlich war die Lizensierung schon für den Sommer geplant.

Erlaubt ist das Kiffen:

  • zu Hause (es sei denn, es ist eine Mietwohnung und der Vermieter ist dagegen)
  • in Nationalparks

Verboten ist es dagegen:

  • am Arbeitsplatz
  • in Krankenhäusern
  • in manchen Provinzen auch im öffentlichen Bereich (wie bei Zigaretten)

Cannabisprodukte (vorerst) noch verboten

Obwohl es schon zahlreiche Angebote auf dem Markt gibt: Cannabishaltige Getränke, Schokolade oder andere Produkte sind noch mindestens ein Jahr lang verboten. Die Regierung will den Umgang damit in den nächsten Monaten regeln. Gerade erst hat es einen Vergiftungsfall gegeben, in dem ein Kind mit Cannabis angereicherte Gummibärchen gegessen hatte.

Clement schätzt, dass es in Kanada ab Oktober 2019 Bier, Gummibärchen und Kekse mit Cannabis legal zu kaufen gibt.

Neue Cannabis-Plantagen

Knapp 130 kleinere Cannabis-Plantagen gibt es in Kanada. Zu medizinischen Zwecken war der Anbau schon länger erlaubt. 

Dazu kommen jetzt die großen Firmen, die sich ein milliardenschweres Geschäft erhoffen, zum Beispiel die Canopy Growth Corporation, der weltweit größte Marihuana-Hersteller. Geschäftsführer Bruce Linton geht davon aus, dass sich lange Schlangen vor den Läden bilden wie beim neuen iPhone.

"Heute wird es in Kanada Schlangen vor den Geschäften geben, wie wenn wir das neue iPhone verkaufen."
Bruce Linton, CEO der Canopy Growth Corporation

Die Hoffnung scheint sich zu bestätigen - zumindest scheint die Legalisierung von Marihuana in Kanada den Aktien von Konzernen wie Canopy, Aurora Cannabis und Cronos schonmal ganz gut zu tun.

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