Katharina hatte ihren Umzug akribisch geplant, dennoch war sie plötzlich komplett überfordert. Wie schwer ein Neuanfang nach einem Umzug fällt, hängt meist mit unserer aktuellen Lebensphase zusammen, sagt eine Psychologische Psychotherapeutin.
Katharina, genannt Kathi, und ihr Freund ziehen gemeinsam in eine neue Stadt. Kathi ist hoch motiviert und will alles genau planen, damit der Umzug möglichst easy abläuft. Sie nutzt sogar die App Trello, um ein Übersichtsboard für den Umzug anzulegen. So hofft sie, alles im Blick behalten zu können.
Zu viele Entscheidungen: Ein Schwindelgefühl setzt ein
Aber was wäre ein Umzug, ohne dass sich unerwartete Dinge ereignen? Kathi muss viele Entscheidungen treffen. In der neuen Wohnung ist dann auch noch viel mehr im Argen, als sie angenommen hatte. Die Anschlüsse für die Waschmaschine passen nicht und der Abfluss in der Dusche muss neu gemacht werden.
"Der Waschmaschinen-Anschluss wird heute neu gemacht und der Abfluss in der Dusche wurde neu gemacht: Es war ein bisschen eine Herausforderung, da jetzt mitzugehen und das Chaos einfach anzunehmen."
Es gibt so viele An-, Ab- und Ummeldungen, die Kathi bedenken muss, und so vieles, was verpackt, gebucht und entschieden werden muss. Der Umzugswagen ist erst reserviert, noch nicht gebucht, die bestellten Kisten reichen nicht. Die Deadlines rücken näher, der Druck steigt immer weiter.
Irgendwann wird Kathi alles zu viel und sie merkt, wie ihr buchstäblich schwindelig wird. Und das, obwohl sie viel Planung hineingesteckt hat und Freunde, die ihr beim Umzug helfen, sie loben, wie organisiert doch alles sei.
"In dem Moment habe ich gemerkt, mir wird schwindelig und es drehte sich so ein bisschen und da habe ich innegehalten und dachte, irgendwas stimmt nicht."
Was Kathi dann hilft: Sie merkt, dass sie den Umzug nicht alleine stemmen kann, eine Pause braucht, um durchzuatmen. Ihr Freund übernimmt ab diesem Zeitpunkt viele der Aufgaben. Kathi stellt fest: Egal, wie gut sie alles verpackt und wie sehr sie sich darum bemüht, den Überblick zu behalten, irgendwelche Sachen werden bei Umzügen immer schiefgehen.
Diese Erkenntnis hilft ihr dabei, innerlich loszulassen, Dinge lockerer anzugehen, zum Beispiel beim Verpacken von Gegenständen, nicht mehr so viel Zeit zu investieren und es sich insgesamt auch ein wenig einfacher zu machen.
Was wir von einem Umzug erwarten
Elias Hofmann ist Soziologe und Demograf beim Deutschen Institut für Bevölkerungsforschung. Er hat unter anderem dazu geforscht, aus welchen Gründen Menschen umziehen. Jüngere Menschen, das heißt 18- bis 25-Jährige, ziehen eher für Job und Karriere um. Menschen, die älter als 25 sind, ziehen eher um, um näher bei der Familie zu wohnen oder beispielsweise in eine bessere Wohngegend zu ziehen. Jüngere Menschen ziehen zudem bereitwilliger um, der Peak liegt bei circa Mitte 20, sagt der Soziologe.
"Im Mittel steigt die Lebenszufriedenheit mit dem Umzug leicht an. Deswegen können wir davon ausgehen, dass es eine grundsätzlich positive Gesamtbewertung von einem Umzug gibt."
Auch die Entfernungen, die wir für einen Umzug auf uns nehmen, lassen sich auf bestimmte Motivationen zurückführen: Die meisten Umzüge über kürzere Distanzen haben eher familiäre oder wohnungsbezogene Gründe.
Wohnortwechsel über längere Entfernungen haben eher etwas mit dem Job zu tun. Insgesamt bringen solche Umzüge uns also unseren Zielen gewissermaßen näher, was sich wohl auch darin äußert, dass die Lebenszufriedenheit im Schnitt durch einen Umzug steigt.
Abschied, Veränderung, Neuanfang
Umzüge sind aufwendig und machen viel Arbeit. Deswegen kommen sie im Prinzip immer ungelegen, außer wir befinden uns in einer Notsituation, aus der wir schnell raus wollen. Und Umzüge sind oft viel emotionaler, als wir zuvor erwarten. Sie sind mit Abschieden, Veränderungen, Ungewissheiten und Neuanfängen verbunden, sagt die Psychologische Psychotherapeutin Dana Kroh.
Es kommt auch immer sehr auf den Kontext an, wie wir einen Umzug empfinden, erklärt sie. Ziehen wir beispielsweise, weil wir gerade 18 Jahre alt geworden sind, in eine WG oder die erste eigene Wohnung ein? Und helfen unsere Eltern uns möglicherweise auch noch dabei? Dann kann sich der Umzug auch wie ein Abenteuer anfühlen, sagt Dana Kroh.
Oder ziehen wir mit einem Partner zusammen?. Oder ziehen wir nach einer Trennung gerade wieder auseinander? Dann ist das meist viel lebensentscheidender und kann sich anstrengender anfühlen.
"Irgendwo neu sein und sich damit ja dann auch letzten Endes von den alten Dingen verabschieden und dem irgendwie Raum geben müssen im bisherigen Alltag."
Wie wir insgesamt mit Abschieden, Veränderungen und Neuanfängen zurechtkommen, hat auch viel mit unseren Vorerfahrungen zu tun, sagt Dana Kroh. Die Frage ist: Haben wir in unserem Leben schon gute Erfahrungen mit solchen Dingen gemacht oder eher negative Erfahrungen.
Wenn wir das Gefühl haben, dass anderen Umzüge viel leichter von der Hand gehen als uns, kann es helfen, mit Freunden, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, zu sprechen. Uns zu öffnen und nachzufragen. Oft schätzen wir Schwierigkeiten, die andere möglicherweise mit ähnlichen Veränderungen erlebt haben, gar nicht unbedingt richtig ein, sagt die Psychologische Psychotherapeutin.
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