Die Pfleger und Schwestern der Berliner Charité streiken. Mehr als Notversorgung ist in dem Krankenhaus zurzeit nicht drin. So weit, so normal. Aber: Sie streiken nicht für mehr Geld, sie wollen mehr Kollegen haben. Nicht nur die Charité, auch viele andere Kliniken haben viel zu wenig Pflegepersonal.

Dem traditionsreichen Krankenhaus Charité in Berlin fehlen 600 Pflegekräfte. Diese Stellen müssten besetzt werden, dafür streiken die überarbeiteten Pfleger und Schwestern. Die Klinikleitung hingegen stellt fest: 600 neue Mitarbeiter können wir nicht bezahlen. Die Forderung des Personals scheint nicht überzogen. "Bundesweit fehlen zwischen 35.000 bis 70.000 Pflegekräfte in den Krankenhäusern", schätzt Gesundheitsökonom Stefan Greß von der Hochschule in Fulda.

"In vielen Bereichen kann mit der derzeitigen Personalausstattung keine vernünftige Qualität mehr gewährleistet werden."

Schuld ist ein breites Sparprogramm: Seit Mitte der 1990er Jahre sind 35.000 Pflegekräfte abgebaut worden, so Stefan Greß. Im selben Zeitraum seien aber auch die Anforderungen an die Mitarbeiter massiv gestiegen: "Mehr Patienten, kürzere Liegezeiten, mehr Stress, mehr Belastung." Der Gesundheitsökonom hat Verständnis für die Forderungen der Schwestern und Pfleger.

Lieber mehr Ärzte als Pflegepersonal

Die Krankenhäuser haben investiert. Allerdings nicht in ihr Pflegepersonal, sondern in den ärztlichen Bereich. "Viele Krankenhäuser sehen das so, dass nur mit vielen Ärzten auch viel operiert werden kann", sagt Gress. "Und nur so gibt's hohe Umsätze." Diese wirtschaftlichen Zwänge sind durchaus nachzuvollziehen: Ungefähr ein Drittel aller Kliniken macht Miese und schreibt rote Zahlen.

Die Proteste und Streiks richten sich nun gegen zwei Schuldige: die Kliniken, die für die Personalentscheidungen zuständig sind, und die Bundesländer und die jeweiligen Finanzminister, die den Kliniken nicht mehr Geld zur Verfügung stellen. "Da fehlen jedes Jahr zwei bis vier Milliarden Euro", erklärt Stefan Greß. Das bekommen die Mitarbeiter zu spüren.

Eine Lösung: Die Krankenkassen an den Kosten beteiligen - was unsere Krankenversicherung verteuern dürfte.