Ein Miteinander auf Augenhöhe, ein gleichberechtigter Austausch von Ideen, aufeinander eingehen und vom anderen lernen - wenn Wissenschaftler aus unterschiedlichen Ecken der Welt so miteinander kommunizieren, dann läuft alles richtig. Allein: das ist pure Theorie. In Wirklichkeit gibt es so manche Hürde auf dem Weg zu einem echten interkulturellen Dialog.

Wenn eine dominante Kultur, sagen wir mal, der Westen, seine Gebräuche, seinen Stil, seine Werte, anderen aufzwingt und für besser hält, dann nennt man das Kulturimperialismus - keine schöne Sache.

"Fast immer sind asymmetrische Machtverhältnisse im Spiel. Absolut ausgewogene, flache und herrschaftsfreie Kommunikation ist ein Laborideal, das sich in der historischen Wirklichkeit so gut wie niemals findet."

Leider reicht guter Wille allein nicht, um das zu ändern. Es ist wichtig und richtig, anderen Kulturen und anderen Lebensstilen gegenüber neugierig und aufgeschlossen zu sein. Aber die echten Hürden für einen substanziellen Austausch auf Augenhöhe - sei es in Wissenschaft oder Politik - liegen im praktischen Bereich, sagt der Historiker Jürgen Osterhammel.

Für ihn kann Gleichheit zweierlei bedeuten:

  • alle Kulturen verdienen zumindest auf den ersten Blick die gleiche Aufmerksamkeit und den gleichen Respekt
  • weltweit sind die Chancen ungleich verteilt, Wissenschaft betreiben zu können. Das muss sich ändern.

Jürgen Osterhammel ist Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Konstanz. Für sein Buch "Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts" hat Osterhammel den Sachbuchpreis von NDR Kultur erhalten. 2010 wurde er mit dem Leibnizpreis ausgezeichnet. Osterhammel ist Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der British Academy. Sein Vortrag hat den Titel "Der interkulturelle Dialog und seine Feinde". Er hat ihn am 23. September 2016 auf der Jahresversammlung der Leopoldina in Halle an der Saale gehalten.