Ein bärtiger Gott mit Kalaschnikow und dem Satz "Der Attentäter ist noch immer auf der Flucht". Das Cover zur Charlie Hebdo Sonderausgabe kursiert schon seit Anfang der Woche im Netz. Seit heute, am Tag bevor sich das Attentat auf "Charlie Hebdo" jährt, liegt die Sonderausgabe in den Kiosken. Andreas Platthaus, Redakteur bei der FAZ, hat das Magazin schon von vorne bis hinten gelesen.

Zwei Dinge sind Andreas Platthaus, Feuilleton-Redakteur der FAZ und Comic-Spezialist, an der Charlie-Hebdo-Sonderausgabe besonders ins Auge gestochen: Erstens ist sie doppelt so dick wie die gewöhnlichen Ausgaben - und das zum selben Preis. Und zweitens finden sich auf der letzten Seite Grußworte von verschiedenen Prominenten Leuten, unter anderem von der französischen Kulturministerin Fleur Pellerin. "Und das hat es bisher noch nie gegeben, dass ein amtierendes Regierungsmitglied in diesem Satiremagazin auftritt", sagt Andreas Platthaus.

"Früher hatte man immer da Gefühl, die erlauben sich Dinge, wie kann man nur diesen Mut haben. Jetzt wissen wir, dass es wirklich unglaublich mutig war."
Andreas Platthaus, Andreas Platthaus, Feuilleton-Redakteur bei der FAZ

Die Themen haben sich nicht geändert. Bereits in den Jahren vor dem Attentat hatte die Satirezeitschrift stark auf religiöse Themen gesetzt, stellt Platthaus fest, "weil sie gesehen hat, da ist tatsächlich noch ein innerer Feind oder Gegner, bei dem man noch was provozieren kann, da kann man noch empfindliche Punkte treffen, was sie dann zuletzt nicht mehr geschafft hatten." Und nach den Attentaten haben die Zeichner an diesen Religionsthemen festgehalten.

"Sie sind immer noch genauso geschmacklos - das muss man auch mal sagen, dass sie das bisweilen sind - und drastischen Darstellungen wie vorher."
Andreas Platthaus, Feuilleton-Redakteur bei der FAZ

Der Feuilleton-Redakteur kennt das Satiremagazin schon lange und schaut seit den Anschlägen immer wieder in aktuelle Ausgaben. Eine Frage, mit der er sich seitdem beschäftigt, ist, inwiefern haben diese Attentate unser Bild der Zeitschrift verändert. Dass, was man früher als besonders mutig empfunden habe, wirke jetzt vielleicht eher wir eine Pflichtübung. "Das ist natürlich total unfair", sagt Andreas Platthaus, "die Leute, die dieses Attentat überlebt haben, haben wahrscheinlich schwer genug mit ihnen psychischen Problemen zu tragen." Hinzu kämen dann noch diverse Erwartungen, zum Beispiel die von Lesern - wie er selbst - , die das Heft lange kennen und eine gewisse Kontinuität erwarten, gleichzeitig die Erwartungen, dass nach dem Attentat auch mit traditionellen Inhalten gebrochen und neues gewagt werde.