Zwei Attentäter stürmten 2015 die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo. Jetzt beginnt der Prozess. Charlie Hebdo nimmt das zum Anlass, die Islam-Karikaturen noch einmal zu veröffentlichen.

Am 7. Januar 2015 griffen zwei Täter die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris an und töteten insgesamt zwölf Personen. Sie wurden auf der Flucht erschossen. Heute (2. September) beginnt der Prozess gegen die mutmaßlichen Komplizen der Attentäter.

Angeklagt werden 14 Verdächtige, 13 von ihnen wird vorgeworfen, die Täter logistisch unterstützt zu haben, etwa mit Geld und Waffen. "Generell geht es darum, die Hintergründe der Anschläge aufzudecken", sagt Frankreich-Korrespondent Jürgen König. Schon 2015 hatten die Ermittlungsbehörden ein Netzwerk hinter den Attentätern vermutet.

"Nach all dem, was in Frankreich passiert ist, war Charlie Hebdo zuletzt wenig präsent."
Jürgen König, Dlf-Korrespondent für Frankreich

Jürgen König schätzt die Bedeutung des Prozesses für die Überlebenden und Angehörigen der Opfer des Anschlags als sehr hoch sein. Sie müssten sich allerdings damit abfinden, in einer möglichen Verurteilung der Komplizen Gerechtigkeit zu finden, so der Dlf-Korrespondent für Frankreich, denn die Täter selbst sind kurz nach dem Anschlag getötet worden. Trotzdem gilt der Prozess als historisch, weil es der erste von einigen weiteren Prozessen zu anderen terroristischen Anschlägen ist, die folgen.

Andererseits sei Charlie Hebdo mit den Jahren in den Hintergrund gerückt, sagt Jürgen König. Denn dazu sei in Frankreich zu viel anders passiert, etwa:

Die Anschläge von Paris im November 2015 etwa, der Anschlag von Nizza 2016, die monatelangen Gelbwesten-Proteste, Streiks und die Corona-Pandemie, die Frankreich zu Beginn besonders hart getroffen hat. "Nach all dem war Charlie Hebdo in Frankreich zuletzt wenig präsent", sagt Jürgen König.

Die Urteile werden für den 10. November erwartet.

Kurt Westergaard lebt unter Polizeischutz

Die Satirezeitschrift Charlie Hebdo veröffentlicht zum Prozessauftakt zum zweiten Mal die islamkritischen Karikaturen, die damals vermutlich dazu beigetragen haben, dass ausgerechnet Charlie Hebdo als Ziel der Terroristen ausgewählt wurde.

Der Herausgeber von Charlie Hebdo, Laurent Sourisseau, sagt, die Redaktion sei oft darum gebeten worden, die Karikaturen aus dem Jahr 2005 noch einmal zu zeigen, die von dem dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard stammen. Westergaard und seine Familie leben seit 2007 bis heute unter Polizeischutz.

Empfehlung: Karikaturen ignorieren

Die Reaktionen darauf, dass die Karikaturen noch einmal veröffentlicht werden, sind erwartbar. Lob bekommt Charlie Hebdo für die Veröffentlichung und der Aussage, dass die Zeitung niemals aufgeben werde. Der französische Präsident Emmanuel Macron verteidigte die Veröffentlichung mit Verweis auf die Meinungsfreiheit.

Der Rat der französischen Muslime hat empfohlen, die Karikaturen zu ignorieren. Die Regierung Pakistans teilte per Twitter mit, die Karikaturen würden die Gefühle von Milliarden von Muslimen weltweit verletzen.