Chia Rabiei hat versucht, den mutmaßlichen Attentäter von Würzburg aufzuhalten. Von vielen Menschen wird er dafür gefeiert, einige fordern auch die Einbürgerung des iranischen Asylbewerbers. Heldenhafte Leistungen spielen dafür aber keine Rolle.

Als am 25. Juni 2021 ein 24-jähriger Mann in der Würzburger Innenstadt mit einem Messer auf Passanten losgeht und sie damit schwer verletzt, teilweise sogar tötet, geht Chia Rabiei auf den mutmaßlichen Attentäter zu und versucht ihn zu stoppen.

Zivilcourage als Selbstverständlichkeit

Dem Bayrischen Rundfunk erzählte Chia Rabiei später, er habe gesehen, wie der Angreifer zuvor vier oder fünf Mal mit einem Messer auf einen Mann eingestochen habe. Daraufhin sei ihm schwarz vor Augen geworden, sagt er. Weil Chia Rabiei das, was vor seinen Augen passiert ist, nicht länger aushalten konnte, sei er losgelaufen, um den mutmaßlichen Attentäter zurückzudrängen.

In den Videos, die es von der Tat im Netz gibt, ist zu sehen, wie sich Chia Rabiei dem Attentäter entgegenstellt und versucht, mit einer großen Handtasche nach dem Täter zu schlagen und ihn mit kampfsportartigen Bewegungen von seinem Angriff abzuhalten.

Angst habe Chia Rabiei dabei keine gehabt, sagt er. Für ihn sei es selbstverständlich gewesen, sich dem Angreifer, ein abgelehnter Asylbewerber aus Somalia, entgegenzustellen – auch wenn er dabei sein eigenes Leben in Gefahr gebracht hat.

Chia Rabiei als "Held von Würzburg"

Seitdem wird Chia Rabiei als "Held von Würzburg" im Netz gefeiert. Menschen danken ihm für seine Zivilcourage und fordern seine Einbürgerung. Chia Rabiei ist Kurde und vor eineinhalb Jahren aus Iran nach Deutschland gekommen. Hier lebt er als Asylbewerber.

Er sei stolz, dass er helfen konnte, sagte er im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Er habe sich dem mutmaßlichen Attentäter aber nicht entgegen gestellt, um später Aussicht auf einen deutschen Pass oder eine Medaille zu haben. Er sei kein Held, sagte Chia Rabiei. Er sei ein normaler Mensch. Sollte er aber tatsächlich die deutsche Staatsbürgerschaft für seine Zivilcourage erhalten, würde er sich freuen. Falls nicht, würde er weiter warten und auf seinen Asylantrag hoffen.

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Zivilcourage: Kein Einfluss auf Verfahren

Für eine Einbürgerung sind heldenhafte Taten oder besondere Verdienste für die Gesellschaft tatsächlich kein Grund. In manchen Fällen ist eine sogenannte Ermessenseinbürgerung möglich. Sportlerinnen und Sportler zum Beispiel, die für die Nationalmannschaft antreten möchten oder für die Olympischen Spiele, erhalten teilweise so eine Ermessenseinbürgerung.

Das setzt allerdings voraus, dass sie ausreichende Sprachkenntnisse haben, sich selbst finanzieren können und seit mindestens sechs Jahren in Deutschland leben, erklärt Oda Jentsch, Fachanwältin für Migrationsrecht. Die Behörden könnten zwar noch abwägen, welche dieser Voraussetzungen sie weniger gewichten, im Fall von Chia Rabiei hält die Fachanwältin für Migrationsrecht eine Ermessenseinbürgerung aber für unwahrscheinlich.

"Er ist, wie ich der Presse entnommen habe, seit 17 Monaten erst im Land. Das Minimum für eine Einbürgerung wären eigentlich sechs Jahre."
Oda Jentsch, Fachanwältin für Migrationsrecht

Auch auf das Asylverfahren hat seine Zivilcourage wenig Einfluss, sagt Oda Jentsch. Bei der Frage, ob ein Mensch Asyl in Deutschland erhält, sei in der Regel einzig entscheidend, ob der Person im jeweiligen Herkunftsland eine Art der Gefahr drohe, wenn sie oder er dort hin zurückkehren würde. Zwar gibt es auch hier Ausnahmen, erklärt sie, weil das Asylrecht aber komplex ist, würde sie Chia Rabiei raten, sich in seinem Fall von einer Anwältin oder einem Anwalt beraten zu lassen.

"Ich denke, dass das, was er hier gemacht hat, keine Rolle spielt. Integrationsleistungen von Personen spielen im Asylverfahren regelmäßig keine Rolle."
Oda Jentsch, Fachanwältin für Migrationsrecht