Manchmal will man zocken, um runterzukommen. Die meisten Games sind aber spannend, aufregend, voller Action. Aber auch zum Relaxen eignen sich einige. Wir stellen drei vor: Spiritfarer, Windbound und Townscaper.

Als erstes entführt uns Deutschlandfunk-Nova-Reporter Thomas Ruscher aufs offene Meer. Aber nicht irgendein Meer – hier liegt der Übergang vom Dies- ins Jenseits. In Spiritfarer aus der kanadischen Spieleschmiede Thunder Lotus Games schlüpfen wir in die Rolle von Stella. Das kleine Mädchen mit den roten Haaren schippert dort umher und hat einen eigentlich gruseligen Job übernommen.

"Ich bin Charon. Der Spiritfarer. Jedenfalls war ich das bis zu deiner Ankunft. Und nun wirst du der neue Spiritfarer."
Charon aus dem Spiel Spiritfarer

Charon, der Fährmann des Todes, hat keine Lust mehr, die Toten ins Totenreich zu fahren und verabschiedet sich in Rente. Nun soll Stella die gestrandeten Geister suchen und sie durch die "Everdoor", das Ewigkeitstor, geleiten. Denn sterbende Seelen können diese Welt nicht alleine verlassen.

Screenshot aus dem Spiel Spiritfarer
© Thunder Lotus Games
Screenshot aus dem Spiel Spiritfarer

Was düster klingt, ist gar nicht düster: Stella ist bunt, fröhlich und immer gut gelaunt. Ihr Fährschiff ist keine beängstigende Totenfähre, sondern ein kunterbuntes Hausboot. Das ganze Spiel sieht aus wie ein handgemachter Zeichentrickfilm in bunten und pastelligen Farben, beschreibt Thomas.

Unser Job als Stella: um unsere Gäste kümmern, also um die Geister, die wir auf ihrer letzten Reise begleiten. Zuerst kommt Gwen an Bord, eine etwas arrogante Hirschdame. Oder Atul, ein dicker, gemütlicher Frosch. Und im Game können wir nun alles machen, was wir wollen – das Hausboot hübsch machen, Angeln, Kochen oder ein Schiffsgärtchen anlegen zum Beispiel.

"Im Spiel erfährt man nach und nach, wer Stella eigentlich ist und wie sie gestorben ist. Das alles gibt dem Spiel trotz aller Leichtigkeit eine gewisse Schwere und Traurigkeit."
Thomas Ruscher, Deuttschlandfunk-Nova-Gamesexperte

Alles ist idyllisch und friedlich, es kann nichts schief gehen, wir können nirgendwo hin zu spät kommen. Zwar sind alle Charaktere – auch Stella – tot, was dem Spiel auch etwas Trauriges gibt, aber das Spiel ist voller Herzenswärme, findet Thomas - Umarmungen und Katzenknuddeln inklusive: "Wenn das nicht entspannt, dann weiß ich auch nicht."

Relaxen auf dem virtuellen Meer

Windbound von 5 Lives Studios, das zweite Chillgame, wirkt vom Plot her erst mal nicht chillig: Die Kriegerin und Seefahrerin Kara wacht auf einer Insel auf, nachdem ihr Boot in einem Sturm gesunken ist. Jetzt heißt es für Kara: Überleben im Paradies!

Screenshot aus dem Game Windbound: Kriegerin Kara segelt auf ihrem Schilfboot von Insel zu Insel.
© Screenshot Windbound | Deep Silver
Kriegerin Kara segelt im Spiel Windbound von Insel zu Insel.

Kara muss viel entdecken, die Insel erkunden und alles aufsammeln, was es zu sammeln gibt – Steine, Blätter, Äste, Gräser oder Beeren zum Beispiel. Sie kann auch kaninchen-ähnliche Fantasie-Tiere oder Wildschweine jagen. Die eigentliche Quest aber: Kara kann irgendwann ein Boot aus Schilf bauen und damit von einer Insel zur nächsten fahren.

"Das fühlt sich wie der ideale Urlaub auf dem Meer an. Das war so der Moment, da hatte mich Windbound. Da wollte ich das Spiel umarmen und ganz viel weiterspielen."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Gamesexperte

Dieses Bootsfahren findet Thomas wunderschön: Kara rudert von Musik begleitet der Sonne entgegen, die Wellen türmen sich auf, das Boot schaukelt auf und ab. "Das fühlt sich wie der ideale Urlaub auf dem Meer an", schwärmt unser Games-Experte. Mit dem Survival-Element hat das Spiel schon auch einen Stressfaktor eingebaut, aber der hält sich in Grenzen und wird durch die Bootstouren ausgeglichen.

Städte bauen zur Entspannung

Und auch das dritte Spiel startet im Wasser: Das Spiel Townscaper von Oskar Stålberg ist so ziemlich das simpelste und erfolgreichste Spiel, dass es zurzeit für den PC gibt, sagt Thomas Ruscher.

Erst mal schaut man dabei auf eine ruhige Wasseroberfläche. Klickt man irgendwohin, türmt sich aus dem Wasser ein kleines Häuschen auf. Mit jedem weiteren Klick entstehen weitere Häuschen, Türme, Straßenzüge, kleine Hochhäuser und mehr. Das alles sieht aus wie ein kleines, französisches, verschlafenes Städtchen, beschreibt Thomas.

"I call it a town building toy. I think I call it a toy rather than a game because it doesn't really have any goal or purpose."
Oskar Stålberg, Entwickler des Games Townscaper

Oskar Stålberg, der Entwickler, nennt Townscaper ein "Spielzeug", kein Game. Denn eigentlich habe es weder Ziel noch Zweck, man könne nicht gewinnen oder verlieren. Stattdessen spiele man vor sich hin und denke sich Geschichten aus zu dem, was man tue. Wie bei einem Spielzeug eben.

Eine hübsche Spielerei für zwischendurch, findet Thomas. Und die ist auch ziemlich erfolgreich, berichtet er: Rund 190.000 Mal wurde das Game verkauft. Der Hersteller vermutet den Erfolg von Townscaper darin, dass man dabei nicht scheitern kann. Und das gefällt auch unserem Games-Experten.

"Es ist einfach, alles funktioniert, man kann nicht scheitern. Und das macht es auch zu einem wunderbaren Chillgame."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Gamesexperte

Thomas Ruschers Fazit:

  • Wenn ihr Lust habt, 10, 20 Minuten mit einem Spiel zu verbringen, ist Townscaper super - das ist das ideale Zwischendurch-Spielchen.
  • Windbound fühlt sich wie ein Abenteuerurlaub an, ist aber eher etwas, wenn man ein bisschen mehr Herausforderung haben will. Als ganz reines Chillgame ist es nicht so ganz geeignet.
  • Mit Abstand am schönsten ist Spiritfarer. Da kann man sich auch für ein paar Stunden mehr darin verlieren, erlebt einige schöne Geschichten und hat einfach eine ruhige und sehr entspannte Zeit.
Screenshot aus dem Game Townscaper von  Oskar Stålberg: ein Städtchen mitten im Meer.
© Oskar Stålberg
Townscaper ist eher ein Spielzeug als ein Spiel.