Es gibt Hinweise darauf, dass China eine Stadt abriegelt, offiziell dazu aber keine Auskünfte gibt. Eine Vermutung: Vor den Olympischen Spielen will China nicht als Land der knallharten Dauer-Lockdowns gelten.

Nach offiziellen Angaben gab es in China zwischen dem 1. und 24. Januar 2022 rund 105.000 bestätigte Fälle von Covid-19. Bei 1,4 Milliarden Einwohnern in China ist das bemerkenswert niedrig im Vergleich zu den aktuellen Fallzahlen pro Tag in Deutschland.

Diese geringen Fallzahlen sind eine Folge der sehr strikten Null-Covid-Politik in China: Die Grenzen sind weitgehend geschlossen. Bei kleinsten Ausbrüchen reagieren die Behörden mit Massentests, strikter Kontaktnachverfolgung, harten Ausgangsbeschränkungen und Reiseverboten.

"China greift schon bei wenigen Fällen massiv durch."
Xifan Yang, Korrespondentin der Wochenzeitung "Die Zeit"

Am 1. Februar beginnt das chinesische Neujahrsfest, zu dem normalerweise Millionen Chinesen zu Familienbesuchen durchs Land reisen. Das dritte Jahr in Folge wird dies für die Menschen nicht möglich sein.

In Peking, Austragungsort der Olympischen Winterspiele, sind offiziell sechs Omikron-Fälle festgestellt worden, sagt Xifan Yang, Korrespondentin der Wochenzeitung "Die Zeit". Danach seien einzelne Wohnblöcke unter Quarantäne gestellt worden, aber nicht gleich die ganze Stadt.

Das hänge vor allem mit den Olympischen Winterspielen zusammen. Die Korrespondentin vermutet, dass das Regime zur Auftaktveranstaltung in wenigen Tagen mögliche Quarantäne-Bilder und -Schlagzeilen unterbinden will.

Psst, Lockdown ...

Im Fall der Millionenstadt Xiongan sind die Behörden anders vorgegangen, erzählt Xifan Yang. Sie war zufällig selbst von so einer Null-Covid-Strategie betroffen, als sie für Recherchen Mitte Januar nach Xiongan fahren wollte. Ihr wurde gesagt, dass sie am Bahnhof in Xiongan nicht mehr aussteigen dürfe und auch nicht mehr per Auto dorthin reisen könne. An den Autobahnabfahrten werde man umgeleitet oder zurückgeschickt, erzählt die Korrespondentin.

"Ich wurde stutzig, weil wir uns im Internet vorher informiert haben und von einem Lockdown nicht die Rede war."
Xifan Yang, Korrespondentin der Wochenzeitung "Die Zeit"

Zur Lage in Xiongan gibt es von den Behörden kaum Auskünfte, sagt die Korrespondentin. Die Menschen würden dort alle freiwillig zu Hause bleiben und freiwillig ihre Geschäfte geschlossen halten. "De facto ist es aber so, dass die Leute gezwungen werden, zu Hause zu bleiben", sagt die Zeit-Korrespondentin Xifan Yang.

Xifan Yang hat in Videos, die im Internet geteilt und direkt wieder gelöscht wurden, gesehen, wie Menschen gezwungen wurden, zu Hause zu bleiben. Das belege, dass es eben nicht freiwillig geschehe.

In wie vielen anderen Städten ähnlich vorgegangen werde, könne niemand sagen, weil es offiziell keine Angaben dazu gebe. Möglicherweise werde in Xiongang auch deshalb so hart durchgegriffen, weil die Stadt eine besondere Bedeutung für das Regime habe.

Olympia-Dorf vom Rest Chinas abgeschottet

Wegen der Pandemie finden die Olympischen Winterspiele ohne Zuschauer aus dem Ausland statt. Zuschauer aus China können sich nur mit Einladung Wettkämpfe ansehen, Tickets für die Allgemeinheit werden nicht verkauft.

Athleten und Athletinnen, Funktionäre und Trainerinnen, Journalistinnen und Medienschaffende werden in den Olympischen Dörfern abgeriegelt sein. In dieser Olympia-Blase, berichtet ARD-Korrespondent Benjamin Eyssel aus Peking, seien seit Anfang Januar bereits mehr als 100 Beteiligte positiv auf Corona getestet und isoliert worden.

Xifan Yang geht davon aus, dass erst nach den Olympischen Winterspielen bekannt wird, wie groß das Ausmaß der Infektionscluster wirklich ist.