In China wird gerade an einer tattoofreie Wirklichkeit gearbeitet. In den Medien sind Tattoos bei Profifußballern oder Bands zum Beispiel neuerdings unsichtbar. Weil die Regierung es so möchte.

Bei einem Freundschaftsspiel zwischen China und Wales liefen manche der chinesischen Spieler mit hautfarbenen Verbänden ein. Darunter versteckt: die Tattoos der Fußballer. Chinas Stürmerstar Gao Lin zum Beispiel. Sein rechter Oberarm, auf dem sich ein Tattoo befindet, war umwickelt.

Tattoos gibt es nicht mehr

Denn Tattoos gibt es in China offiziell ab sofort nicht mehr. Und das gilt nicht nur für den Profisportler oder den Sport generell, sondern auch für die Unterhaltungsbranche. Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent Steffen Wurzel sagt, es gehe dabei um die Vermittlung von Tradition und Werten von Regierungsseite. Er sagt aber auch: Mit dem chinesischen Alltag hat das alles nichts zu tun. 

Die Gründe für das Tattooverbot

Die chinesische Staats- und Parteiführung sei der Meinung, Tattoos könnten weder die richtigen chinesischen Werten noch die richtigen chinesischen Traditionen vermitteln, so Steffen Wurzel. Daher müssten Tattoos aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden. Ziel sei die Konstruktion einer tattoofreien Wirklichkeit. Und diese wird nicht nur im Sport angestrebt, sondern auch in anderen Bereichen der öffentlichen Wahrnehmung. 

Die beiden komplett tätowierten Gewinner einer riesigen chinesischen HipHop-Show zum Beispiel waren nach kurzer Zeit aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Ihre Texte waren zu derb, der Look zu tätowiert. 

Mit dem Alltag der Chinesen hat diese neue tattoofreie Optik aber nichts zu tun. Viele Chinesen tragen ein Tattoo oder sind der Idee aufgeschlossen. Und die Bevölkerung lehnt die spießige Haltung und den Tattoo-Bann der Regierung auch ab. Steffen Wurzel, der in Shanghai lebt und arbeitet, sagt, dass seiner Wahrnehmung nach in Shanghai mehr Menschen mit Tattoo unterwegs seien als in Deutschland. 

"Es gibt hier in Shanghai - und das ist meine ganz subjektive Meinung - mehr Tattoos, als ich sie in Deutschland sehe.“
Steffen Wurzel über seine Wahrnehmung von Tattoos im Alltag

Tatsächlich sieht die Realität in China damit also anders aus, als die mediale Realität. Und neben Tattoos hätten zudem auch alle anderen Gestaltungsmöglichkeiten als Ausdruck von Individualität und Modebewussten ihren festen Platz, wenn es um einen eignen Style geht. 

Kein offizielles Statement

Vonseiten der chinesischen Regierung gibt es bisher weder eine offizielle Vorgabe noch ein Gesetz zur Tattoofrage. Zu finden ist die tattookritische Haltung allerdings in den chinesischen Medien. Diese hatten über Kritik von Regierungsseite berichtet. 

"Man liest in den Medien, dass es bei Sitzungen hinter verschlossenen Türen Ansagen gab: 'Diese tätowierten Heinis können vielleicht gut Fußball spielen, aber die wollen wir nicht mehr sehen.'"
Steffen Wurzel über Tattoos in den chinesischen Medien

Da die Medien in China ausnahmslos unter staatlicher Kontrolle stünden, so Steffen Wurzel, die Idee eben durchsetzbar. Zumindest wenn es um die Darstellung einer Realität in den Medien geht.