Die Menschen in China arbeiten viel. Leistung ist quasi der Lebensinhalt, der Konkurrenzdruck hart. Wer keine Leistung bringt, fliegt raus. Doch es gibt immer mehr junge Menschen, die aus dem System ausbrechen.

In China ist es normal, sechs Tage die Woche von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends zu arbeiten. Eigentlich ist dieses 996-Modell selbst nach chinesischen Arbeitszeitgesetzen seit 2021 nicht mehr zulässig, von Unternehmen wird es dennoch immer noch praktiziert. Wer diesem Leistungsanspruch nicht standhält, fliegt.

Raus aus dem Leistungssdruck, rein ins Leben

Selbst Kinder stehen schon im Kindergarten unter diesem Leistungsdruck, berichtet unsere Korrespondentin Eva Lamby-Schmitt. Sie hat mit einigen jungen Leuten in China sprechen können, die sich diesem Druck entziehen.

"Eine Headhunterin stand kurz vor ihrer Beförderung, aber sie hat sich auf einmal gefragt: Was mache ich hier eigentlich? Ich verdiene Geld, aber habe überhaupt keine Zeit. Deshalb nimmt sie sich jetzt die Zeit, um herauszufinden, was es eigentlich bedeutet, zu leben."
Eva Lamby-Schmitt, Korrespondentin in China

Die Headhunterin genieße es, auszuschlafen, einfach nur Serien zu gucken und abzuhängen. Aber nach ein paar Wochen habe sie doch wieder einen Job angenommen. Eine andere junge Frau nehme sich jetzt Zeit für ihre Kunstprojekte und lese viel. Ein junges Paar sei auf eine Insel im Süden Chinas gezogen und habe am Strand ein kleines Café eröffnet. Damit hätten sie sich ihren Traum verwirklicht und könnten dort jetzt in Ruhe und mit viel freier Zeit leben.

Tangping, übersetzt Flachliegen, ist der Begriff, zu dem sich immer mehr junge Menschen in China bekennen. Eva Lamby-Schmitt würde Tangping aber noch nicht als eine Bewegung bezeichnen, sondern eher als eine innere Haltung, die aber schon dazu führe, dass die Leute einfach ihre Jobs kündigen. Die Mehrheit hänge aber noch am 996-Modell.

Bei Deutschlandfunk Kultur findet ihr das ausführliche Feature "Leben statt arbeiten" von Eva Lamby-Schmitt.

  • Moderatorin:  Anna Kohn
  • Gesprächspartnerin:  Eva Lamby-Schmitt, Korrespondentin in China