Peking will sich unabhängig machen. Laut Medienberichten soll es eine Anordnung geben, dass Regierungsbehörden ausländische Computer und Software verbannen und durch nationale Produkte ersetzen sollen. Dabei geht es zum Beispiel um bis zu 30 Millionen Rechner. Unsere Reporterin Martina Schulte hält den Plan für utopisch.

Die Financial Times berichtete zuerst über den Plan Chinas, sich abzuschotten. Peking soll alle Regierungsbehörden angewiesen haben, Computer und Software aus dem Ausland zu verbannen. China reagiere damit auf die Attacken der US-Regierung gegen Huawei und andere chinesische IT-Konzerne, vermutet Netzpolitik.org.

Wie die Initiative genau aussieht, ist unklar. Denn bislang sind die Pläne des Zentralbüros geheim. Doch laut Financial Times soll Peking einen Zeitplan namens "3-5-2" vorgelegt haben. Danach sollen 30 Prozent der ausländischen Soft- und Hardware bereits 2020 aus chinesischen Behörden verschwinden; die nächsten 50 Prozent dann 2021. Und 2022 sollen dann die restlichen 20 Prozent der ausländischen IT durch chinesische Produkte ersetzt werden. Das heißt, China würde sich binnen drei Jahren komplett unabhängig machen. Für nicht-staatliche Unternehmen sollen die Pläne nicht gelten; sie dürfen weiterhin Hard- und Software aus dem Ausland nutzen.

Peking will den Aus- und Umstieg bis 2022

Doch bislang sind die Pläne offiziell nicht bestätigt. Sollten die Berichte aber richtig sein, dann ist der Zeitplan von drei 3 Jahren geradezu utopisch, so Netzreporterin Martina Schulte. Die chinesischen Behörden müssten nach ersten Schätzungen bis zu 30 Millionen Computer ersetzen, so die Süddeutsche Zeitung. Auch müssten die Betriebssysteme umgerüstet werden, nämlich auf chinesische Software wie Kylin OS oder Red Flag. Möglich wäre vermutlich auch freie Software wie Linux.

Und es gibt noch mehr Herausforderungen: Denn es gibt quasi keinen rein chinesischen Computer. "Selbst die chinesische Computermarke Lenovo greift auf Chips amerikanischer Hersteller zurück oder auf Festplatten aus Südkorea", sagt Martina Schulte.

"Rein chinesische Computer gibt es eigentlich gar nicht."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Der nächste Schritte wäre dann noch, die Entwicklung von Anwendungen. China müsste ein ganzes Ökosystem rund um die dann neuen chinesischen Betriebssysteme entwickeln, so Spiegel Online. Bisher wurden kaum Anwendungen für chinesische Betriebssysteme entwickelt; die neu entwickelten müssten auch noch kompatibel mit den vorher benutzten Anwendungen sein. Damit sich zum Beispiel alte Microsoft-Dokumente weiterhin öffnen lassen.

"Das neue 'super-chinesische Window' müsste auch rückwärts kompatibel sein, um zum Beispiel alte Microsoft-Dokumente weiterhin öffnen zu können."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Aber es gibt auch Stimmen, die Chinas Pläne als durchaus realistisch einschätzen. Im Guardian sagte Hu Xijin, Chefredakteur der Staatszeitung Global Times bereits im Mai 2019, dass er seine eigene IT-Industrie ausbaue und den US-Amerikanern global Konkurrenz machen wolle. Im Frühjahr wurde auch bekannt, dass das chinesische Militär das Windows-Betriebssystem durch ein chinesisches Betriebssystem ersetzen will. China will damit vermeiden, dass US-Geheimdienste mit ihren Hackertools die chinesischen Militärrechner unterwandern können.