Chuck McCarty aus Los Angeles hat sich ein analoges Hilfsmittel gegen die Vereinsamung der Menschen im digitalen Zeitalter ausgedacht: Er führt Menschen spazieren.

Eigentlich ist Chuck McCarthy Schauspieler, der auf seinen großen Durchbruch wartet. Bisher brachten ihm seine Rollen aber wenig Ruhm, geschweige denn Geld ein. Über Wasser halten, kann er sich nur mit einem Nebenjob. Zuerst dachte er daran, Hunde auszuführen, aber wer hat schon Lust, Hundescheiße aufzuheben, sagt er.

Besser als twittern

Mit Menschen spazieren gehen, das war zunächst nur eine von vielen verrückten Ideen. Doch je mehr Chuck darüber nachdachte, so weniger verrückt erschien ihm der Gedanke. Die Menschen hängen nur noch an ihren Telefonen und vor Computern, ihnen fehlt die menschliche Interaktion, erzählt er in einem Interview im Guardian. Da er außerdem dringend noch ein paar Kilo abnehmen wollte, dachte sich Chuck: People Walking könnte eine Marktlücke sein, die sinnvoll ist und auch noch Spaß macht.

35 Likes, 8 Comments - Chuck McCarthy (@chuckhistory) on Instagram: "Putting up new The People Walker™ fliers to promote new People Walkers Esther, Timmy, and Nicole...."
Putting up new The People Walker™ fliers to promote new People Walkers Esther, Timmy, and Nicole. #LosAngeles #thepeoplewalker #fitness #walking #walk

"Brauchst du eine Motivation zum Spazierengehen? Hast du Angst alleine zu gehen? Willst du nicht allein gehen, weil die Leute denken könnten, dass du keine Freunde hast?": Diese und andere Fragen schrieb er auf Zettel und hängte sie überall in der Stadt auf.

Hunderte E-Mails erreichten ihn - von einsamen, neugierigen und abenteuerlustigen Menschen. Mittlerweile hat er sogar Stammkunden, die ihn häufiger buchen.

Die Menschen reden mit Chuck über alles Mögliche. Meist sind das keine tief gehenden Gespräche, sondern eher Small Talk. Aber, so sagt er, vielen sei es halt lieber, sich bei einem Fremden über den Verkehr zu beschweren, als darüber zu twittern. Das mache einen nur trauriger.

Mit sieben Dollar pro Meile kann Chuck nicht reich werden. Aufgrund der hohen Nachfrage hat er mittlerweile fünf weitere Spaziergänger in Los Angeles engagiert, für deren Vermittlung er aber kein Geld nimmt. Noch nicht, denn er arbeitet er an einem Businessmodell und an einer Smartphone-App, die er per Crowdfunding finanzieren will. Die soll dann ähnlich wie Uber funktionieren und Leute zum Mitgehen vermitteln.

Auf seiner Facebook Seite erhält er dazu viele Ratschläge. Die Leute raten Chuck unter anderem, sich zu beeilen. Eine Frau in Israel hat das Konzept bereits kopiert. Anfragen für seinen Dienst kommen auch aus Großbritannien.