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Cihan will nach dem Abi unbedingt studieren - als einer der ersten in seiner Familie. In der Schule ist er richtig gut, vor allem in Mathe und Physik. Aber als er in der 11. Klasse ist, gibt es zu Hause viel Streit. Seine Noten werden schlechter, er bleibt sitzen. Da entscheidet Cihan: Er will ausziehen und dafür braucht er Geld. Darum bricht er die Schule ab und fängt eine Ausbildung zum Gebäudereiniger an.

Die Ausbildung macht er in der gleichen Gebäudereinigungsfirma, bei der auch seine Mutter als Putzfrau arbeitet. Sie ist mit ihm aus der Türkei nach Deutschland gekommen, als Cihan 9 Jahre alt war und hat immer gehofft, dass er ein leichteres Leben haben wird als sie. Doch für Cihan gibt es nach dem Schulabbruch eigentlich nur noch zwei Dinge: arbeiten und schlafen. Er muss richtig viel arbeiten, um auf eigenen Beinen stehen zu können. Dafür geht er bis an seine körperlichen Grenzen. Einmal putzt er bei Eiseskälte an einem Regierungsgebäude die Fenster. Ihm frieren fast die Hände und Füße ab.

"Und da hab ich meinen Vorarbeiter angerufen und meinte, dass ich nicht mehr kann und dass ich jetzt Feierabend machen werde, dass das heute nicht mehr geht. Dann hat er mir eine mündliche Abmahnung gegeben."
Cihan über einen der härtesten Arbeitstage in seinem Leben

Abitur auf dem zweiten Bildungsweg

Danach bewirbt sich Cihan an einem Kolleg, wo man das Abitur nachholen kann. Er ist mittlerweile 27 und will es einfach probieren - auch wenn es bedeutet, dass er tagsüber zur Schule geht und abends noch jobben muss. Er bekommt zwar Bafög, aber das reicht nicht um Miete und Lebenshaltungskosten bezahlen zu können.

"Ich hab nie irgendwie gedacht: "Ach, warum habe ich nicht so ne Eltern oder so.." Ich habe mir das nie gedacht. Weil meine Mutter hat hart gearbeitet. Es ist ja nicht so, dass sie nichts gemacht hat, sie hat hart gearbeitet. Das hat aber halt nicht gereicht so."
Cihan über Ungerechtigkeit

Wie Cihan sein Abi besteht und sich schließlich den Traum vom Studium erfüllen kann, hört ihr hier oder im Podcast.

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