Begrünung ist gut fürs Klima. Allerdings: Nicht jede Pflanze leistet in Sachen Kohlenstoffdioxid das Gleiche. Finnische Forscher schlagen deshalb eine Art Datenbank vor, in der man die CO2-Bilanz von bestimmten Bäumen, Sträuchern und Co. nachschlagen kann.

Mehr und mehr ist auch hierzulande eingesickert, dass Pflanzen in Städten dem Klima guttun. Nun ist aber nicht jedes Blumenbeet oder jede Hecke sinnvoll. Denn: Unterschiedliche Pflanzen haben auch eine unterschiedliche CO2-Bilanz.

Finnische Forschende um Matti Kuittinen von der Universität Aalto kritisieren deshalb, dass es derzeit keine klaren Leitlinien für Normen zur Berechnung und Überprüfung der Klimaauswirkungen von Pflanzen, Mulchen und Böden gibt, die bei der Landschaftsgestaltung und im Bau verwendet werden können.

CO2-Bilanz von Pflanzen kategorisieren

Ihr Vorschlag: eine Art Datenbank für die Nachhaltigkeitsbewertung von Pflanzen anzulegen, um das Potenzial von Ökosystemleistungen im Landschaftsbau besser auszuschöpfen. Kategorisiert werden sollte demnach, wie viel Kohlenstoffdioxid nimmt dieser Baum etwa auf, wie viel produziert er vielleicht auch – kurz: wieviel CO2 entsteht dadurch, wie viel wird gebunden.

Laut den Forschenden kann man sich dabei am Bauwesen orientieren. Für Baumaterialien - also Dämmstoffe, Bodenbeläge oder Beton zum Beispiel - kann man das beim Hersteller oder in offiziellen Datenbanken nachschlagen.

Vorbild: Standards für Baumaterialien

Hierfür gibt es sogenannte Environmental Product Declarations (EPDs), erklärt Aglaia Dane von den Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten. Dafür analysieren Fachleute den kompletten Zyklus eines Produkts: angefangen bei den Rohstoffen über Produktion, Transport und Einbau, bis hin zur Entsorgung.

Allerdings lässt sich das nicht so einfach auf grüne Infrastruktur übertragen, schränkt sie ein. Zwar ließen sich da ähnliche Kriterien nutzen, so die Forschenden, man könnte also die Ökobilanz über den gesamten Lebenszyklus einer bestimmten Pflanze analysieren - vom Samen, über die Aufzucht, das Einpflanzen und die Pflege bis hin zur Frage, wie lange eine Pflanze lebt und was dann mit ihr passiert. Weil Pflanzen sich aber im Gegensatz zu Baumaterialien verändern, ist das Ganze etwas schwieriger, erklärt Aglaia.

"Ein Punkt nur ist bei Pflanzen schwieriger als bei Baumaterialien: Sie verändern sich."
Aglaia Dane, Deutschlandfunk Nova

Eine weitere Herausforderung für Landschaftsgestalterinnen und Städtebauer: Welchen Baum, welchen Strauch, welche Bodenbegrünung man pflanzt, hängt von verschiedenen Bedingungen ab – etwa: wie viel Platz ist für Wurzeln und Krone, wie resistent ist die Pflanze gegen Trockenheit, was passt auch optisch gut?

Andere Orte - andere Klimaprobleme

Zudem sind die Voraussetzungen für Regionen und Städte bei der Anpassung an den Klimawandel unterschiedlich: Köln und Berlin etwa müssen sich vor allem mit Hitze beschäftigen, für ländliche Gebiete im Osten ist vor allem Trockenheit ein Problem.

Dieses CO2-Fußbabdruck-System für Pflanzen und auch Böden, das die Forschenden aus Finnland vorstellen, ist deshalb etwas allgemeiner gedacht. Dennoch halten sie es für sinnvoll, wenn die EU eine klare Deklaration zur Orientierung bieten würde.

Weitere Forschung

Um so eine Datenbank voranzubringen, will das Team weiterforschen und in Feldversuchen analysieren, wieviel CO2-Speicher-Potenzial typische Parkpflanzen haben. Vielleicht können künftig Landschaftsgestalter*innen, die eine Fläche begrünen oder sanieren wollen, dann irgendwann in einer EU-Datenbank nachschauen: Welche Bäume, Sträucher, Erden helfen besonders gut bei dem Ziel, CO2 aus der Atmosphäre zu holen?