Kaffee, frisches Obst und eine Tischtennisplatte – in immer mehr Unternehmen werden derartige Maßnahmen ergriffen, um die Mitarbeitenden bei Laune zu halten. Wie Wertschätzung im Job wirklich aussehen muss, erklärt eine Expertin.

Alle Getränke umsonst, eine stets gefüllte Snackbar und eine Tischtennisplatte, damit wir uns in den Pausen und nach Feierabend entspannen können: Viele Stellenanzeigen werben inzwischen mit Anreizen fernab vom Gehalt. Doch was gut gemeint ist, kann langfristig kein Ersatz für das Gefühl sein, dass unsere Arbeit wertgeschätzt wird.

Wertschätzung mindert Kündigungswunsch

Mehrere Studien haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass dieses Gefühl essenziell dafür ist, damit wir langfristig im Job glücklich sein können. Madeleine Lang ist Coach und kann das bestätigen.

"In dem Moment, in dem wir uns gewertschätzt fühlen, fühlen wir uns mehr dem Arbeitgeber zugetan, identifizieren uns mehr mit ihm und haben einen geringeren Kündigungswunsch."
Madeleine Lang, Coach und Soziologin

Das Problem mit der Wertschätzung: Oft würden Führungskräfte denken, sie hätten eine Anerkennung ausgesprochen, bei den Mitarbeitenden aber kommt das nicht an, so die Expertin. Diese Diskrepanz gilt es zu überwinden, bei Führungskräften müsse deshalb ein Umdenken stattfinden. Denn, so Madeleine Lang weiter: "Wir alle wünschen uns Anerkennung. Wir wünschen uns, dass wir gesehen werden. Am Ende trägt das dazu bei, dass wir ein Selbstbewusstsein entwickeln."

Wertschätzung zeigen: So geht es

Madeleine Lang coacht hauptsächlich Führungskräfte in Sachen Wertschätzung. Doch die Schritte sind auch dann hilfreich, wenn wir einem Kollegen oder einer Kollegin unsere Anerkennung aussprechen wollen. Zunächst müssten wir dazu eine Haltung entwickeln, die unsere Wertschätzung ausdrückt, sie. Das gelingt uns durch unsere Körpersprache, einen freundlichen Blick, oder auch durch Komplimente.

Anschließend sollten wir uns einen zeitlichen Raum suchen, in dem wir über das Feedback sprechen. Mithilfe einer Ich-Botschaft sollten wir unserem Gegenüber vermitteln, was wir an der Arbeit schätzen – und das so detailliert wie möglich, so Madeleine Lang. "Je konkreter das ist und je stärker das an einer Situation festgemacht ist, desto leichter ist es, es anzunehmen."

Dann sollten wir erklären, warum uns ausgerechnet das so wichtig ist, denn nur so könne das Gegenüber den Einfluss seiner Arbeit tatsächlich sehen und die Wertschätzung besser annehmen. Ein abschließendes "Danke" rundet das Wertschätzungsgespräch ab, so der Rat der Expertin.

Zahlen zur Zufriedenheit im Berufsleben:

  • Bei einer Umfrage der Zeit gaben 84 Prozent der Befragten an, dass es für sie wichtig sei, sich bei der Arbeit wohlzufühlen. Doch nur 65 Prozent sagten, dass sie sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlten.
  • Was für Arbeitnehmende einen guten Chef oder eine gute Chefin auszeichnet, zeigt eine Umfrage des Personaldienstleisters ManpowerGroup. Darin finden es 91 Prozent der Befragten wichtig, dass ihre Leistung gewürdigt wird und sie konstruktive Rückmeldung erhalten.
  • Die Unternehmensberatung Comepensation Partner hat Menschen 2019 nach ihrem Kündigungsgrund gefragt. Am häufigsten kündigten Menschen
    demnach, weil sie von ihren Vorgesetzten nicht ausreichend Wertschätzung erfuhren.
  • Rund sechs Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland haben laut einer Studie bereits innerlich gekündigt. Nur 15 Prozent der Befragten haben eine hohe emotionale Bindung an ihr Unternehmen. Entscheidend für eine Bindung ist die Wertschätzung.