"College Curries"

Indische Gewürzmischungen finanzieren Bildung

In Deutschland werden "College Curries" verkauft. Die Rezepte dafür stammen von indischen Hausfrauen. Und von den Einnahmen können die Hüterinnen der Curry-Rezepte ihre Kinder auf die Uni schicken.

In der Küche von Nils Lalleike und Surya Ormeloh duftet es nach Gewürzen. Senfsamen, Knoblauch, Kreuzkümmel, Ingwer. Die beiden bereiten ein Curry zu mit einer Gewürzmischung von Jancy. Und Jancy lebt in Südindien, sie ist Curry-Expertin. Weil Jancy verraten hat, wie sie das Curry zubereitet, kann sie ihre Tochter das Studium finanzieren.

Denn das ist der Deal: Indische Hausfrauen rücken ihre Rezepte heraus, Nils und Surya verkaufen die Gewürzmischungen in Deutschland, ein Teil der Einnahmen geht zurück nach Indien, um Bildung zu ermöglichen. Das ist die Idee ihres Start-ups "College Curries".

Das Rezept von Jancy ist schon das dritte Produkt von "College Curries". Tipps aus erster Hand gibt es dazu. "Wir haben tatsächlich Jancy auch beobachtet, als sie gekocht hat", erzählt Surya, "und da hat sie uns auch so ein paar Kniffe erklärt, dass zum Beispiel die Tomaten nicht mitgekocht werden". Die Tomaten kommen erst nach dem Kochen ins Essen, das soll dann sehr aromatisch schmecken.

Auf die Idee für "College Curries" kamen Nils und Surya direkt in Indien. In einem Dorf im Süden lernten sie Renuka kennen. Sie bat die beiden um Geld für das Masterstudium ihrer Tochter Bhuvana. Ihr Argument: "Ihr seid Weiße und habt auch Geld." Nils und Surya wollten helfen, aber bei dieser Ansage hatten sie ein schlechtes Gefühl. Also fragten sie nach einem Gegenwert für die Hilfe. Sie bekamen: das Curryrezept der Familie

"Wir können nicht dahin kommen und sagen: 'Leute, hier ist das Geld, so geht's'. Das verfestigt einfach diese Perspektive, dass die sich selber auch so sehen."
Nils Lalleike von "College Curries"

Es war eine spontane Aktion. "Wir haben das Rezept am Straßenrand eingekauft, am Straßenrand mit ihr zusammen gemahlen, das dann zuhause abgepackt, an Freunde und Familie in Deutschland verteilt und Spenden dafür bekommen", erzählt Surya. In nur einem Sommer hatte das Team so das komplette Studium von Bhuvana finanziert, mehr als 5000 Euro. Aus der Spontanaktion wurde eine Geschäftsidee.

"College Curries" trägt sich noch nicht selbst

Etwa 100 Kilogramm der Gewürzmischungen haben "College Curries" bereits verkauft. Finanziell kommt da für Nils und Surya allerdings noch kein Gewinn bei rum, sie selbst müssen finanziell unterstützt werden. 1600 Euro bekommen beide als Förderung vom Land Schleswig-Holstein. Im September läuft die Förderung aus.

"Das ist halt das Ziel, dass man ein Unternehmen hat, das beweisen kann, dass das Rezept einer indischen Hausfrau so gut ist, dass es wirtschaftlich als Produkt funktionieren kann."
Nils Lalleike von "College Curries"

Inzwischen geben Nils und Surya die Gewürzmischungen nicht mehr nur gegen eine Spende an Freunde. Mittlerweile gibt es zwei Curry-Mischungen auch in einigen Bioläden und auch online zu kaufen. Und die "College Curries"-Gründer denken schon über eine Expansion nach: "Wir haben jetzt auch schon weiter gesponnen, dass sich das auf andere Länder ausweiten lassen kann", erzählt Surya. "Dass man auch Studien vielleicht in Mexiko finanzieren kann und traditionelle Rezepte nach Deutschland bringt."