Kurz auf den Link in einer Phishing-Mail geklickt – und schon ist es passiert: In Gießen, Berlin und Bad Homburg haben sich öffentliche Einrichtungen mit Schadsoftware aus dem Netz infiziert. Anti-Viren-Programme schützen nicht nur, sie können auch ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Emotet heißt der sogenannte "Verschlüsselungstrojaner", der die Computernetzwerke an der Uni Gießen, am Kammergericht Berlin, und die Stadtverwaltungen von Frankfurt, Bad Homburg, Alsfeld und Potsdam zeitweilig lahmgelegt hat.

IT-Totalschaden nach Virenangriff

Die Einrichtungen hatten sich über das Internet mit der Schadsoftware infiziert. Beim Berliner Kammergericht hatten Experten sogar einen IT-Totalschaden diagnostiziert. Das mag im ersten Moment überraschen, weil wir davon ausgehen, dass sich Behörden ausreichend mit Virenschutzprogrammen vor Angriffen schützen. Trotzdem ist es passiert.

Experten warnen vor Anti-Viren-Programmen

Nur, weil ein Rechner über ein Virenschutzprogramm oder einen vorinstallierten Windows Defender verfügt, bedeutet das nicht, dass der Computer auch automatisch geschützt ist, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat. Viele Experten für Computersicherheit warnten sogar vor Anti-Viren-Programmen.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Virenschutzprogramme mit Sicherheitslücken. Das Problem dabei ist, dass der Rechner den Anti-Viren-Programmen Zugriff auf viele Anwendungen erlaubt. Wenn es Sicherheitslücken gibt, nutzen Hacker diese Schwachstelle um Zugriff auf den jeweiligen Rechner zu bekommen.

"Manche halten Virenschutzprogramme insgesamt für Augenwischerei, weil sie uns nahezu perfekte Sicherheit versprechen, das aber nicht halten können."
Michael Gessat. Deutschlandfunk Nova

Immer neue Versionen von Schadsoftware

Trotz aller Sicherheitsrisiken: Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat rät davon ab, ganz auf Anti-Viren-Software zu verzichten. Das sollten nur Computerexperten in Betracht ziehen, die genau wissen, wo sich Angriffspunkte auf ihrem Rechner befinden, und wie man Betriebssysteme und Netzwerke konfigurieren muss, um sich effektiv vor Virenangriffen zu schützen, so Michael Gessat.

Welche Virenschutzprogramme etwas bringen

Die gute Nachricht: Virenschutzprogramme werden immer besser. Die Rate der erkannten Schadsoftware unterscheide sich kaum, so Michael Gessat. Wer beispielsweise bei Windows einen vorinstallierten Windows Defender hat, müsse sich keine Sorgen machen.

Ziemlich sorglos haben ja bisher Mac-User und -userinnen gelebt – Appel-Computer gelten als weitaus weniger bedroht, als Windows-Rechner. Und das bleibt wohl auch vorerst so. "Für MacOS oder auch Linux brauchen wir nach wie vor keine Anti-Viren-Software", sagt Michael Gessat.

Gratisversionen von Anti-Viren-Programmen können Nachteile bringen

Neben dem Windows Defender bietet das Netz noch eine Fülle von anderen Virenschutz-Softwares, die wir kostenfrei im Netz herunterladen können. Gratis ist natürlich verlockend - Michael Gessat rät trotzdem ab. Zwar schützen die Gratisversionen auch vor Virenangriffen, es kann aber vorkommen, dass Werbung auf unserem Desktop einblendet wird. Und es sei auch schon vorgekommen, dass diese Programme unsere Daten sammeln und diese weitergeben.