Cihan Çelik betreut als Arzt die Covid-19-Isolierstation in Darmstadt – immer wieder landen auch junge Menschen dort. In der Ab21 spricht er über seine Erfahrungen mit jungen Corona-Erkrankten.

Mindestabstand, Mund-und-Nasenschutz und möglichst wenige Kontakte. Viele von uns halten sich an die Corona-Maßnahmen. Dennoch gibt es einige, die von sich denken, jung, fit und unverwundbar zu sein. Dass dem nicht so ist, weiß auch der Arzt Cihan Çelik. Bei ihm auf der Isolierstation im Klinikum Darmstadt landen auch junge Covid-19-Erkrankte.

Cihan Çelik gibt fünf Antworten zur Covid-19-Erkrankung bei jungen Menschen:

1. Wie alt war der jüngste Patient?

"Der jüngste Patient, den wir bei uns behandelt haben, war 19 Jahre alt." Auch wenn der Altersdurchschnitt der Erkrankten auf seiner Station bei rund 60 Jahren liegen würde, gäbe es doch viele Patientinnen, die erst 20 oder 30 Jahre alt seien, sagt Çelik

2. Haben alle jungen Patientinnen Vorerkrankungen?

Gerade aufgrund von vielleicht bislang unentdeckten Vorerkrankungen sei es gefährlich, sich in Sicherheit zu wiegen, nur weil man jung und vermeintlich gesund sei, so Çelik. Es stimme zwar, dass die Sterblichkeitsrate im Alter zwischen 20 und 30 geringer sei, "aber schwere Verläufe haben wir bei 19-Jährigen, bei 20-Jährigen und auch bei 30-Jährigen gesehen. Und zwar nicht nur bei Patienten mit Immunschwäche oder Vorerkrankung."

3. Können junge Patienten einen schweren Krankheitsverlauf haben?

Cihan Çelik warnt: "Diese Krankheit kann für jeden gefährlich ablaufen. Die jungen Patientinnen und Patienten, die bei uns waren und keine Vorerkrankung hatten, berichteten später – als sie es überstanden hatten – dass sie noch nie eine so schwere Erkrankung erlebt haben."

4. Was ist ein schwerer Verlauf von Covid-19?

Im Vordergrund der Erkrankung stehe die Lungenentzündung, wie Çelik erklärt. Dies könnten die jüngeren Patientinnen, sofern sie eine gute Lunge hätten, gut wegstecken, sagt der Arzt. "Was zum großen Problem werden kann, sind die Gerinnungsstörungen: Gefäßverstopfungen in der Lunge, die Lungenembolie." Diese würden zu Atemnot und lebensbedrohlichen Zuständen, wie zum Beispiel Schlaganfällen, führen, erklärt er. Covid-19 sei mehr als eine Lungenerkrankung, die Erkrankung betreffe den ganzen Körper.

5. Was ist bislang über die Spätfolgen von Covid-19 bekannt?

Langzeitfolgen ließen sich noch schwer einschätzen, da die ersten Erkrankten Covid-19 im Dezember 2019 hatten, gibt Çelik zu. "Wir haben Hinweise darauf, dass die schwere Entzündung in der Lunge dort zu Narben führen kann. Doch wie viel davon im Laufe der Zeit übrig bleibt, kann man jetzt noch nicht sagen."