Im März blieben die Stühle in den Wartebereichen der Blutspende-Dienste oft leer. Kaum jemand traute sich noch zum Spenden zu kommen. In vielen Krankenhäusern wurden die Blutkonserven knapp. Wie ist die Lage jetzt?

Das Café um die Ecke hat zu, die Türen der Lieblingspizzeria sind dicht, und das gemütliche Kochen in der WG nebenan findet auch nicht statt: Freunde treffen in Zeiten von Corona ist nicht so einfach. Neue Treffpunkte müssen her, dachte sich auch Teresa.

Kurzerhand verabredete sie sich mit zwei Freunden in der Uniklinik in Gießen: zum Blutspenden. Für Teresa nichts Neues. Sie kommt regelmäßig hier her – auch in Zeiten von Corona. Aber jetzt ist dort alles anders, sagt sie.

"Es war viel mehr Platz, weil vor dem Blutspende- zentrum ein Zelt für den Wartebereich aufgebaut war. Schon vor dem Zettelabholen wurde die Temperatur gemessen."
Teresa, Blutspenderin

Die Mitarbeiter der Klinik haben Atemschutzmasken getragen und die Abstandsregelung wurden streng eingehalten, erzählt Teresa. Außerdem musste sie mehr Fragen beantworten als sonst: Ob sie Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatte, oder ob sie in einem Risikogebiet war. Unsicher hat sie sich trotzdem nicht gefühlt, sagt sie.

"Ich hab mich beim Blutspenden definitiv sicherer gefühlt als unter den Maßnahmen, die im Supermarkt aktuell für den Einkauf herrschen."
Teresa, Blutspenderin

Weniger Blutspenden

Doch so entspannt wie Teresa sind nicht alle. Viele Blutspendedienste hatten Mitte März ein großes Problem: Es kamen deutlich weniger Menschen zum Spenden als sonst – auch an der Uniklinik in Gießen. Dort wird alle zehn Minuten eine Blutkonserve für einen kranken Patienten benötigt. In normalen Zeiten eigentlich kein Problem, doch in den vergangenen Wochen war die Sorge vor Engpässen groß.

So erging es vielen Krankenhäusern: In manchen Regionen wurde nur noch halb so viel Blut gespendet wie vor der Pandemie, sagt Hermann Eichler. Er ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie. Die Menschen hätten Angst gehabt vor einer Infektion mit Sars-CoV-2, sagt er.

"Das führte dazu, dass das Blutspendeaufkommen teilweise um 30 bis 50 Prozent nach unten ging, also ein dramatischer Abfall der Spendebereitschaft."
Hermann Eichler, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie

Keine Ansteckungsgefahr

Doch die Angst vor einer Ansteckung beim Blutspenden sei völlig unbegründet, sagt der Hermann Eichler. Während des Blutspende-Prozesses könne man sich nicht infizieren, betont er. Außerdem bestünde keine Gefahr für die Empfänger der Spenden – also für die Patienten, die die Blutkonserven dringend brauchen. Das bestätigt auch das Robert-Koch-Institut.

"Man kann über Blutpräparate das Sars-Virus nicht übertragen, es gibt dafür keine Hinweise, so dass man sicher sein kann, dass man durch Bluttransfusionen nicht mit Sars-CoV-2 infiziert wird."
Hermann Eichler, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie

Aufruf zur Solidarität

Als Reaktion auf die rückläufigen Zahlen folgten jede Menge Aufrufe zum Spenden, aus der Politik, von Kliniken – oder auch von Promis wie Jérôme Boateng.

Andere Profi-Sportler, Fußballer, Handballer und Boxer sind mit gutem Beispiel vorangegangen und selbst Spenden gegangen. Das Ganze hatte offenbar Erfolg, sagt Patric Nohe vom Deutschen Roten Kreuz.

"Wir beobachten eine große Welle der Solidarität. Dass es jetzt wirklich so viel Andrang gefunden hat, damit hätten wir nicht gerechnet."
Patric Nohe, Deutsches Rotes Kreuz, Bayern

Offenbar vertrauen wieder mehr Menschen darauf, dass ihnen bei der Spende nichts passiert. Das Deutsche Rote Kreuz und die Kliniken betonen genau das immer wieder: Wer zu uns kommt, der ist sicher.