Die Corona-Pandemie beeinflusst nicht nur unseren aktuellen Alltag, sondern verändert auch unseren Gesamtblick auf das Leben. Das zeigt eine aktuelle Studie.

Unter den Menschen gibt es eine neue Ernsthaftigkeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Gesellschaft für Innovative Marktforschung (GIM). Dafür hat das Marktforschungsinstitut im Januar und April 2020 insgesamt rund 9.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefragt, was ihnen im Leben gerade wichtig ist.

Herauskam: Seit Beginn der Corona-Pandemie haben sie mehr einen Wunsch nach Stabilität, als nach Spaß oder Abenteuer. Statt Neues auszuprobieren, halten die Befragten eher an Bekanntem fest.

Jonathan geht es ähnlich. Er ist 32 und studiert gerade auf dem zweiten Bildungsweg. Durch die Corona-Krise wägt er zum Beispiel mögliche Risiken anders ab. "Anders als noch vor der Krise, würde ich mir heute wahrscheinlich zweimal überlegen, eine Selbständigkeit zu beginnen", sagt er.

Das durch die Pandemie verstärkte Bedürfnis nach Stabilität zeigt sich auch bei Student Chris beim Thema Finanzen, speziell bei der Vorsorge. Er möchte in Zukunft beispielsweise ein Haushaltsbuch führen, um seine Ein- und Ausgabe zu überblicken und übriges Geld sparen.

Potenzial für langfristige Veränderungen

Dass Umbrüche wie Kriege oder Finanzkrisen das Potenzial haben, Gesellschaften nachhaltig zu verändern, hat die Vergangenheit bereits gezeigt, erklärt Simon Kühne, wissenschaftlicher Mitarbeiter am soziologischen Institut der Universität Bielefeld. Krisenzeiten haben etwa Einfluss auf die Lebensverläufe bestimmter Generationen, sagt er. Besonders betreffe das zum Beispiel junge Menschen, die während einer Krise ihre Zukunft planen und sich mit den Themen Ausbildung und Studium befassen.

"Ob Kriege oder Finanzkrisen: Wir wissen, dass solche Ereignisse das Potenzial haben, eine Gesellschaft nachhaltig zu verändern - sogar einen Effekt auf ganze Generationen und Lebensverläufe haben können."
Simon Kühne, wissenschaftlicher Mitarbeiter am soziologischen Institut der Universität Bielefeld

Selin ist aktuell in so einer Umbruchphase. Durch die Corona-Pandemie und deren Folgen, ist der Aspekt eines sicheren Berufes noch mal in den Fokus der 24-Jährigen gerückt. "Ich habe jetzt gemerkt, wie viel es wert ist, in einem Bereich zu arbeiten, der immer gefragt ist und nicht nur, wenn alles Friede, Freude, Eierkuchen ist", erklärt sie. Generell blickt sie aber optimistisch auf die nächsten Jahre.

Stabilität und Gesundheit sind jetzt wichtig

Eine ähnlich positive Haltung beobachtet auch Simon Kühne. Er und sein Team befragen regelmäßig dieselben Menschen nach ihrer Zufriedenheit in verschiedenen Lebensbereichen als auch ihren Einstellungen. Simon Kühn zieht eine aktuelle Zwischenbilanz und stellt fest: In den Bereichen des psychischen Wohlbefindens seien die Teilnehmenden durch die Krise bisher nicht unzufriedener, berichtet er.

Zudem rücke das Thema Gesundheit für viele der Befragten seit der Corona-Pandemie mehr in den Vordergrund. Durch die Krise würden sie ihre Gesundheit bewusst wahrnehmen und als wertvoll betrachten. Seitdem machen die Befragten zum Beispiel mehr Sport, sagt Simon Kühne. Das erklärt er sich durch mehr Zeit, die durch das Arbeiten im Homeoffice oder Kurzarbeit entsteht.

"Generation Corona"? Eher nein.

Es stellt sich also weiterhin die Frage, wie langfristig sich die Corona-Pandemie auf unser Leben auswirkt. Eine gebrandmarkte "Generation Corona" hält Student Chris zumindest für unwahrscheinlich: "Ich glaube nicht, dass ich irgendwann als Vater oder Opa zu meinen Kindern oder Enkeln sagen werde: 'Wenn ihr nur wüsstet, was Verzicht heißt. Wir mussten damals im Jahr 2020 als die Corona-Pandemie ausbrach, mit unseren Freunden Zoom-Konferenzen abhalten, um nicht zu vereinsamen'."