Zwickau 470 Fälle, Bautzen 441 Fälle in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner – die Corona-Zahlen in Sachsen sind enorm angestiegen. Dabei ist das Land bisher eher gut durch die Krise gekommen. Doch genau das könnte dazu geführt haben, dass die Zahlen jetzt erst recht ansteigen.

"Wir haben dieses Virus unterschätzt – alle miteinander" hat Michael Kretschmer, der Ministerpräsident von Sachsen, in einem Interview im ZDF vor ein paar Tagen gesagt. Bisher hatte sich Sachsen vergleichsweise gut durch die Krise geschlagen, doch wirft man nun einen Blick auf die Karte, sind viele Teile von Sachsen mittlerweile dunkellila bis schwarz gefärbt.

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Die Gesundheitsämter kommen nicht mehr hinterher, viele Krankenhäuser sind überlastet und können kaum mehr neue Patientinnen und Patienten aufnehmen, berichtet Alexander Moritz, Dlf-Korrespondent für Sachsen. Die Regierung droht mit strikteren Beschränkungen.

Woher die hohen Zahlen kommen, dafür gibt es mehrere Thesen. Fest steht: Die Landesregierung hat in den letzten Monaten zu zögerlich gehandelt, sagt Alexander Moritz.

Die Grenzlage von Sachsen

Ein Grund für die steigenden Infektionszahlen könnte die Grenzlage von Sachsen zu Polen und Tschechien sein. Auch dort waren die Zahlen vor ein paar Monaten extrem hoch, sagt Alexander Moritz. In Polen und Tschechien gab es allerdings im Vergleich zu Sachsen sehr strikte Maßnahmen. Nur noch die nötigsten Geschäfte waren geöffnet.

"Sachsen hat Grenzen nach Tschechien und Polen und gerade in diesen beiden Ländern waren die Fallzahlen schon vor zwei Monaten sehr hoch."
Alexander Moritz, Dlf-Korrespondent für Sachsen

Anders als zum Frühjahr wurden im Herbst auch die Grenzen zu den Ländern nicht mehr geschlossen. Viele Sachsen seien beispielsweise nach Tschechien zum Tanken gefahren, viele Tschechen seien dafür zum Einkaufen nach Dresden gekommen. So könnten sich die Infektionen verteilt haben.

Lange auf die leichte Schulter genommen

Eine andere oder zusätzliche These geht davon aus, dass Sachsen das Virus – wie Michael Kretschmer auch zugegeben hat – zu lange unterschätzt hat. Viele Menschen – nicht nur Corona-Leugner – hätten lange Zeit das Gefühl gehabt, dass sie das Virus nicht wirklich betreffe, da sie in ihrem Umfeld auch keine Fälle kannten.

"Man muss schon feststellen, viele Menschen hatten lange das Gefühl, dass sie das Virus nicht betrifft, weil es im Frühjahr kaum Fälle gab."
Alexander Moritz, Dlf-Korrespondent für Sachsen

Dass das so war, lag an der schnellen Reaktion des Bundeslandes als das Virus im Frühjahr ausgebrochen war. Gegenüber den anderen Bundesländern hatte Sachsen also lange Zeit einen Vorsprung. Dieser sei nun aber durch die lockeren Maßnahmen im Herbst verspielt worden.

Hohe Empfänglichkeit für Verschwörungsmythen

Sachsen ist auch durch viele Demonstrationen von Corona-Leugnerinnen- und Leugnern aufgefallen. Welche Rolle die Corona-Leugner für das Infektionsgeschehen spielen, kann vermutlich erst rückblickend aufgeklärt werden.

Fest steht allerdings, dass es viele Regionen in Sachsen gibt, in denen die AfD sehr stark ist und viele Menschen dort den staatlichen Institutionen eher kritisch gegenüberstehen und empfänglicher für den Verschwörungsglauben sind, sagt Alexander Moritz. Dies bestätigt auch der Landesverfassungsschutz Sachsens.

"Es gibt hier einfach ein größeres Potenzial an Menschen, die die Grundlage der Wissenschaft anzweifelt und natürlich hat das eine Auswirkung darauf, wie gut Eindämmungsmaßnahmen wirken."
Alexander Moritz, Dlf-Korrespondent für Sachsen

Mit der These, dass die hohen Infektionszahlen stark in Zusammenhang mit AfD-Wählerinnen und -Wählern stehen, wie es beispielsweise der CDU-Politiker und Ostbeauftragte der Bundesregierung Marco Wanderwitz sagt, sollte man allerdings eher zurückhaltend umgehen, sagt Alexander Moritz.

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Die Einsicht wird kommen

Ob nun die Drohungen eines härteren Lockdowns ihre Wirkungen zeigen werden, könne man noch nicht vorhersagen. Alexander Moritz geht aber dennoch davon aus, dass sich das Bewusstsein über Covid-19 auch in Sachsen bald ändern wird. Spätestens, wenn es den eigenen Familienkreis betrifft, mutmaßt er.

"Je mehr Fälle es in den eigenen Familien gibt, desto mehr bekommen Menschen ein Gefühl dafür, dass das eben nichts Abstraktes ist, sondern sie das ganz konkret betrifft."
Alexander Moritz, Dlf-Korrespondent für Sachsen

Zusätzlich könnten auch die zukünftigen Bilder von überlasteten Intensivstationen die Bevölkerung mehr auf das Virus und seine Gefahren aufmerksam machen. Das könne durchaus zu einem Umdenken führen, sagt Alexander Moritz.