Indien hat jetzt einen Coronavirus-Impfstoff zugelassen, für den es keine Spritze braucht. Und auch in anderen Punkten scheint er einfacher handhabbar als die Impfstoffe anderer Hersteller. Aber er ist weniger wirksam.

In Deutschland sind inzwischen fast 60 Prozent der Menschen vollständig gegen Covid-19 geimpft. Während wir in Deutschland darüber sprechen, Impfdosen einzulagern, gehen andere Länder weiter leer aus. In Indien zum Beispiel – dem zweit bevölkerungsstärksten Land der Welt – zählen erst knapp zehn Prozent der Menschen zu den vollständig Geimpften.

Drei Dosen und Wirksamkeit von 66,6 Prozent

Dort hat ein neues Vakzin jetzt die Notfallzulassung erhalten. Zycov-D ist der erste Plasmid-DNA-Impfstoff, der zugelassen wird. Laut des Herstellers Zydus Cadila soll der Impfstoff eine Wirksamkeit von 66,6 Prozent haben und insgesamt drei Mal verabreicht werden.

Danach kam es in den Zulassungsstudien nach der zweiten Impfdosis zu keinen schweren oder tödlichen Verläufen von Covid-19. Zudem blieben mittelschwere bis tödliche Verläufe der Coronavirus-Erkrankung nach der dritten Impfdosis aus.

Impfen ohne Spritzen

Bislang sind allerdings nur die Angaben des Herstellers einsehbar, erklärt Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori, unabhängige Studiendaten fehlen noch. In der Regel würden die Daten erst bei den Zulassungsbehörden liegen und später dann veröffentlicht.

Neben der Wirksamkeit ist weiter bekannt:

  • Der Plasmid-DNA-Impfstoff hält sich auch bei 25 Grad für drei Monate. Er könnte also für wärmere Länder relevant werden, in denen eine Kühlung der Vakzine nicht durchgängig gegeben ist.
  • Zycov-D wird mit einem Pen verabreicht statt einer Spritze. Ein Pen sieht in etwa aus wie ein Kugelschreiber und ist einfacher zu handhaben.
  • Der Impfstoff ist für Kinder ab 12 Jahren zugelassen. Er wurde bisher aber nur 1.000 Kindern verabreicht, was zu wenig ist, um seltene Nebenwirkungen zu finden.

Christina Sartori hält eine Zulassung des neuen Plasmid-DNA-Impfstoffs für die Europäische Union für unwahrscheinlich. Im Vergleich zu den Impfstoffen, die innerhalb der EU schon verimpft werden, könnte es für Zycov-D aufgrund der geringeren Wirksamkeit schwer werden, sich auch hier durchzusetzen, erklärt sie.

Wie ein Plasmid-DNA-Impfstoff funktioniert

Ein Plasmid ist DNA in Ringform. Diese ringförmige DNA enthält die genetische Information für den Bau eines Spike-Proteins, wie es auch beim echten Coronavirus vorkommt. So ähnlich funktionieren auch Vektor-Impfstoffe wie der von Astra-Zeneca. Allerdings wird die DNA bei Vektor-Impfstoffen über ein anderes Virus, den Vektor, in den Körper gespritzt.

Bei Zycov-D erhält der Körper direkt über die ringförmige Plasmid-DNA (und nicht über ein anderes Virus) die Information für den Bau eines Spike-Proteins des Coronavirus.

So kann der Körper im Anschluss eine Abwehr gegen das virale Spike-Protein – und somit gegen das ganze Coronavirus – aufbauen, um das Immunsystem zu trainieren. Dieser Schritt erfolgt bei allen anderen Impfstoffen auch.

"Am Ende läuft es beim Plasmid-DNA-Impfstoff so wie bei den anderen Impfungen: Es läuft auf ein virales Spike-Protein hinaus, gegen das der Körper eine Abwehr aufbaut. Der Weg dahin ist hier aber etwas anders."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

DNA-, aber auch mRNA-Impfstoffe*, haben gegenüber Vektor-Impfstoffen einen Nachteil weniger:

Bei einem Vektor-Impfstoff besteht nämlich die Möglichkeit, dass der Körper das Transportmittel, den Vektor, nach einer ersten oder zweiten Impfung so schnell erkennt und abbaut, dass es der Vektor nicht mehr schafft, die Informationen in die entsprechende Zelle zu transportieren.

Das heißt: Die nächste Impfung mit dem Vektor-Impfstoff wirkt nicht mehr so gut und müsste mit einem DNA- oder mRNA-Impfstoff aufgefrischt werden.

Weil es bei der Plasmid-DNA-Impfung keinen Vektor gibt, fällt dieser Nachteil hier weg.

(* DNA und RNA sind unterschiedlich, können aber dieselben genetischen Informationen speichern. Beide überbringen dem Körper die nötigen Informationen dafür, das Spike-Protein des Coronavirus zu bauen.)