Nach zwei Jahren Pandemie hatten Deutschlands Bierbrauer wieder auf volle Biergärten gehofft. Doch jetzt steigen die Rohstoff- und Energiepreise. Ob es noch Spaß macht, eine Brauerei zu leiten, haben wir Anna Heller gefragt, die Geschäftsführerin der Brauerei Heller in Köln.

Für die kleine Brauerei Heller in Köln war schon die Pandemie hart. Die Zahl der Gäste in Gaststätten war stark zurück gegangen.

Energie- und Rohstoffpreise stark gestiegen

Doch kaum ist die Hochphase der Pandemie vorbei, machen nun hohe Rohstoff- und Energiepreise den Brauereien zu schaffen – eine Folge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine.

Dass die Rohstoffpreise im Einkauf gestiegen sind, sei spürbar, sagt Anna Heller. In ihrer Brauerei sei der Preisanstieg nicht ganz so dramatisch, weil Hellers eine Biobrauerei ist und ohnehin nur regionale Produkte bezieht. Und die letzte Ernte sei "gar nicht so schlecht" gewesen. Wenn auf dem Weltmarkt die Preise steigen, würden allerdings auch regionale Bioprodukte preislich nachziehen.

"Wir sind knapp bei 1000 Prozent, die die Energiepreise nach oben gegangen sind. Das können wir nicht stemmen. Die Frage ist nicht, ob wir die Preise erhöhen, sondern wann und wie viel."
Anna Heller, Geschäftsführerin der Brauerei Heller in Köln

Das Hauptproblem sei aber die Explosion der Energiepreise. Als Brauerei schließt man große Verträge mit den Energieversorgern ab, erklärt Anna Heller. Und ihre Brauerei habe das Pech gehabt, genau diese Verträge jetzt im Sommer neu verhandeln zu müssen.

Bier wird auf jeden Fall teurer

Das Ergebnis war frustrierend, sagt sie. Die Preise seien teilweise um fast das Zehnfache angestiegen. Stand jetzt könne die Brauerei es nicht schaffen, das zu stemmen. Ohne Preissteigerungen weiterzumachen, sei nicht möglich. Wie genau das umgelegt wird auf den Verkaufspreis ist noch unsicher.

Bier wird auf jeden Fall teurer, sagt auch der Deutsche Brauer-Bund. Ansonsten würden viele – gerade kleinere – Brauereien schlicht nicht überleben, so Hauptgeschäftsführer Holger Eichele gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

"Die Situation ist schwierig und nervenaufreibend. Aber auch Probleme lösen kann ja manchmal Spaß machen."
Anna Heller, Geschäftsführerin der Brauerei Heller in Köln

Die letzten drei Jahre und die jetzige Situation seien nervenaufreibend. Aufgeben kommt für Anna Heller allerdings nicht in Frage. Man wächst mit den Aufgaben, die einem gestellt werden, sagt sie. Auch Probleme zu lösen, könne manchmal Spaß machen.

Seit quasi drei Jahren sei sie in einer Art Krisenmanagement-Modus. Manchmal habe sie dabei auch kleine Erfolge zu verbuchen.

Preise nicht zu stark erhöhen

Die Endverbraucher müssten die zwingend notwendigen Preiserhöhungen mittragen können. Denn auch sie seien von den steigenden Kosten betroffen. Und dann stelle sich die Frage, ob man sich noch ein Premiumprodukt leisten will oder kann – oder ob man doch lieber im Discounter einkauft.

Wenn ihre Brauerei weniger produziere, habe sie auch weniger Kosten, sagt Anna Heller. Dann verkauft sie aber auch weniger Bier.

Die Braumeisterin hofft auf ein Umdenken und darauf, dass die Krise für die Erkenntnis sorgt, komplett auf erneuerbare Energien zu setzen. Ihre Brauerei mache das schon seit Jahren. "Wenn wir vor 20 Jahren schon so gedacht hätten, könnten wir schon ganz woanders stehen", sagt sie.