Strenge Ausgangssperre in Frankreich, während in Schweden die Menschen in den Cafés sitzen. Ist Schweden naiv? Oder Frankreich in Panik geraten? Welche Maßnahmen am Ende besser funktionieren, wird wohl erst in ein paar Wochen klar sein.

In Frankreich gelten seit dem 10. März strenge Ausgangssperren. Mehr als 45.000 Menschen sind infiziert, über 3000 sind gestorben (Stand 31.03.20). Wer raus möchte, braucht einen Passierschein (den man sich selbst ausfüllt).

Sabine Wachs, ARD-Korrespondentin in Paris, erzählt, dass sie sich, wenn sie joggen geht oder Sport machen will, maximal eine Stunde im Umkreis von einem Kilometer von ihrer Wohnung wegbewegen darf. Und das wird streng kontrolliert.

"Es wurde mir auch gesagt: Sie müssen jetzt aber hier zurücklaufen, weil sie sind schon fast zu weit von ihrer Wohnung weg."
Sabine Wachs, ARD-Korrespondentin in Paris

In Schweden dagegen bittet die Regierung: Wer zu Hause bleiben kann, solle das tun, berichtet Carsten Schmiester, ARD-Korrespondent in Stockholm. Weiter wird empfohlen, große Menschenansammlungen zu vermeiden. Den älteren Menschen wird geraten, zu Hause zu bleiben. In Schweden sind über 4400 Menschen infiziert und 180 gestorben (Stand 31.03.20).

"Ich habe das Gefühl, die Leute haben das nicht wirklich realisiert. Also von Abstandhalten merkt man nicht so besonders viel."
Carsten Schmiester, ARD-Korrespondent in Stockholm

Vorsichtsmaßnahmen wie in Deutschland, dass Kassiererinnen an der Supermarktkasse mit Plexiglasscheiben geschützt werden, gibt es in Schweden nicht. Selten sehe man Menschen, die Handschuhe oder Mundschutz tragen. Alles sei fast so wie immer, außer dass man im Restaurant nicht mehr selbst an die Theke darf, sondern bedient wird.

"Wir sehen natürlich Nachrichten aus ganz Europa und die Bilder. Langsam haben wir das Gefühl, wir sind wirklich in einer anderen Welt. Wir sind uns nicht ganz sicher: Wer spinnt eigentlich? Und wer hat recht?"
Carsten Schmiester, ARD-Korrespondent in Stockholm

In Schweden wird im Vergleich zu Deutschland sehr wenig getestet, sagt Carsten Schmiester. Manche vermuten Absicht dahinter, weil das schwedische Gesundheitssystem leistungsschwach sei. Sie nehmen an, die Regierung verfolge die Idee, dass sich möglichst viele infizieren und immun werden. Ziel sei eine Herdenimmunität - die höchstwahrscheinlich mit vielen Toten einhergeht. Für die elf Millionen Schweden gebe es nur 523 Intensivbetten.

Gesundheitssysteme schlecht vorbereitet

Sabine Wachs berichtet, dass auch das französische Gesundheitssystem auf eine solche Pandemie schlecht vorbereitet ist. In Frankreich gab es 5000 Intensivbetten für rund 68 Millionen Menschen, jetzt wurden sie auf 10.000 aufgestockt, geplant sind 15.000. In der Provinz Grand Est, wozu das Elsaß und Lothringen gehören, sind die Zahlen am stärksten gestiegen, die Krankenhäuser sind überlastet, es gibt keine Beatmungsgeräte mehr und die Patienten werden zum Teil ausgeflogen oder mit umgebauten TGVs in weniger belastete Regionen gefahren.

Zweifel an den Maßnahmen Macrons

Am Beginn der ersten Maßnahmen in Frankreich war der Zuspruch in der Bevölkerung für Präsident Macron noch groß. Jetzt, da sich die Situation immer weiter zuspitzt, nimmt seine Beliebtheit wieder ab. Es wird die katastrophale Lage der Krankenhäuser kritisiert und manche zweifeln daran, ob die strikte Ausgangssperre wirklich notwendig gewesen wäre. Präsident Macron hätte erst einmal abwarten müssen, ob die erste Maßnahmenwelle Wirkung zeigt und der französischen Bevölkerung Zeit geben, sich daran zu gewöhnen, und nicht direkt die Maßnahmen zu verschärfen.

Durchwurschteln in Schweden

In Schweden erfreut sich die Regierung steigender Beliebtheit, berichtet Carsten Schmiester. Wahrscheinlich weil sie nicht so harte Maßnahme wie andere europäische Regierungen erlässt. Die Opposition, selbst die rechtspopulistischen Schwedendemokraten, stimmen für die Maßnahmen der Regierung. Manche fragen sich, ob die schwedische Regierung auf dem richtigen Weg sei, wenn sie Schweden mit anderen europäischen Ländern vergleichen. Die meisten reagieren aber gelassen, wurschteln sich durch und hoffen auf das Gute.