Trotz Bewusstseins für das Virus hat sich Martina mit Corona infiziert. Auch nach vier Wochen kämpft sie noch mit den Folgen ihrer Erkrankung. Das Schlimmste aber ist: Sie hat unabsichtlich ihre krebskranke Freundin angesteckt.

Martina fühlt sich nicht krank, als sie ihre Freundin abholt und sich mit ihr ins Auto setzt. Beide tragen Masken, während der Fahrt wird gelüftet und sie schauen sich auch nicht an. Ihnen ist die Tragweite einer möglichen Corona-Infektion bewusst, denn Martinas Freundin ist schwer an Krebs erkrankt: "Sie ist absolute Risikogruppe, aber ich unterstütze sie im Alltag, zum Beispiel bei Fahrten ins Krankenhaus."

Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen steckt Martina ihre Freundin an diesem Tag mit dem Corona-Virus an und fühlt sich schrecklich: "Das war wirklich ein katastrophaler Zustand, und das wünsche ich keinem Menschen." Obwohl ihr keine Vorwürfe gemacht werden, kann Martina nicht abschalten und fühlt sich schuldig.

"Meine Freundin hat sofort gesagt: 'Egal, was passiert, du bist für nichts verantwortlich.' Aber das bekommt man so leicht nicht aus dem eigenen Kopf raus."
Martina

Am nächsten Tag bekommt Martina Symptome wie Schüttelfrost und Fieber, denkt im ersten Moment gar nicht an Corona. Erst als ihr Freund die Nachricht bekommt, dass sich in seinem Büro mehrere Menschen mit dem Virus infiziert haben, macht Martina einen Schnelltest: "Es war schrecklich, die schwerkranke Frau anzurufen und ihr zu sagen: 'Ich hab dich vermutlich mit Corona angesteckt.'"

Doch neben ihrer Freundin, die sie im Auto herumgefahren hat, stecken Martina und ihr Freund noch sechs weitere Menschen an, die sie zuvor auf einem Grillfest gesehen hatten. Mit insgesamt zwölf Menschen haben sie zusammen gesessen, gegessen und getrunken, dabei aber immer auf Abstand und Belüftung geachtet: "Wir hätten niemals mit der Ansteckung gerechnet."

"Wir haben nicht gekuschelt, sondern haben nur ohne Masken miteinander gesprochen."
Martina

Niemand erkrankt so schwer wie Martina, die auch noch vier Wochen nach der Infektion mit den Folgen der Krankheit zu kämpfen hat: "Meine Lunge ist noch angeschlagen, aber ich bin negativ und voller Antikörper."

Martinas krebskranke Freundin hatte nicht mit den typischen Covid-19-Symptomen zu kämpfen, dennoch ist nicht abzusehen, was das Virus mit ihrem Körper gemacht hat: "Sie ist insgesamt nicht bei guter Gesundheit." In den letzten Wochen musste sie ihre Krebsbehandlung aussetzen und zu Hause in Quarantäne gehen, denn sie ist noch immer Corona-positiv.

"Ich würde am liebsten mit einem großen Schild rumlaufen: Ich habe jemanden angesteckt, und das fühlt sich nicht gut an."
Martina

Obwohl Martina auch schon vor ihrer Corona-Infektion große Veranstaltungen gemieden hat, sich dem Risiko bewusst und vorsichtig war, ist sie nun noch sensibler. Für sie ist es schwierig, mit anzusehen, wenn Leute keine Maske tragen oder sich im Supermarkt zu nah kommen.

Um anderen Leuten das Risiko klar zu machen, schreibt sie auch in sozialen Netzwerken über ihren Fall: "Ich gehe da sehr offen mit um und versuche damit ein bisschen zu missionieren."