Für viele von uns ist das zurzeit eines der schwersten Dinge: sich nicht umarmen zu dürfen. Peter Walger von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene sagt: Umarmen ist wichtig, wir sollten aber sehr verantwortungsbewusst damit umgehen.

So lauten die offiziellen Sars-CoV-2-Infektionsschutz-Verordnungen in den meisten Bundesländern zurzeit: Die "physisch-sozialen Kontakte" sollten "möglichst gering" gehalten werden. Das war und ist für viele von uns gar nicht so einfach. Viele Videos und Bilder unter dem Hashtag #hugging, wie das von zwei kleinen Kindern, die sich nach langer Zeit wieder umarmen dürfen, sind deshalb schnell viral gegangen.

Eine Studie aus den USA, die zur Zeit der strikten Kontaktsperren, 1.000 Probanden und Probandinnen befragt hat, zeigt auf: Diejenigen, die regelmäßig andere Menschen getroffen, geküsst oder umarmt haben, hatten ein 26 Prozent geringeres Risiko depressiv zu werden, als die Gruppe, die keine derartigen Kontakte hatte. Auch der Arzt Peter Walger von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene sagt: Umarmen ist wichtig. Wir sollten allerdings einige Regeln beachten, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten.

"Was man auf keinen Fall machen soll, ist: sich nicht zu umarmen! Das große Aber: Wir sind leider in einer Situation, wo die Umarmung ein Risiko für eine Infektionsübertragung ist."
Peter Walger, Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene

Besser nur geplante Umarmungen

Wen wir derzeit umarmen, sollten wir gut kennen. Im besten Fall sollte man davor mit dem Gegenüber kurz darüber gesprochen haben, ob und wie man sich umarmt, sagt Peter Walger. Umarmen in Pandemiezeiten sollte also eher eine geplante Zuneigungsbekundung sein. Bei Eltern, Geschwistern oder guten Freunden könnte man am ehesten einschätzen, ob eine Umarmung für einen selbst oder für die andere Person ein Risiko darstellt.

"Da gibt’s Situationen, wo man sagen würde, ich lass das jetzt lieber: Denken Sie zum Beispiel an die Rückkehrer aus eine Risikogebiet."
Peter Walger, Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene

Spontane und unbewusste Umarmungen, wenn wir beispielsweise betrunken sind oder bei Menschen, die wir nicht so gut kennen, sollten wir derzeit unbedingt noch sein lassen.

Face-to-face Kontakt vermeiden

Wenn wir uns dann für eine Umarmung entschieden haben, können wir auch hier das Infektionsrisiko noch senken. Peter Walger rät hierzu: Bei der Umarmung sollten wir die Gesichter in unterschiedliche Richtungen wenden und einen Wange-an-Wange-Kontakt vermeiden. Denn es geht ja nicht um den Körperkontakt, sondern nur um die Aerosole, die wir ausatmen.

"Wir sollten die Gesichter in unterschiedliche Richtungen wenden und lieber nicht Wange an Wange umarmen."
Grit Eggerichs, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die amerikanische Forscherin Linsey Marr, Expertin für Krankheitsübertragungen aus der Luft, hält in einem Artikel der New York Times das Risiko bei einer ganz kurzen Umarmung ohne Reden oder Husten sogar für sehr gering.

Ganz verschwinden kann das Risiko laut Peter Walger aber nicht. Wenn wir dabei aber den Mund schließen, nicht reden und nicht husten und im besten Fall noch eine Maske tragen, können wir das Infektionsrisiko zumindest verringern.

Eigenverantwortung und Kreativität

Beim Umarmen ist also viel Eigenverantwortung gefragt – oder viel Kreativität. Eine Kanadierin hat beispielsweise ihre Mutter durch eine Art Kuschelvorhang aus Folie umarmt.

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Das isländische Forstamt rät beispielsweise dazu, Bäume zu umarmen. Und ein bekanntes Modelabel hat eine Jacke entwickelt, die vom Partner oder der Partnerin per App gesteuert werden kann und personalisierte Berührungen auslöst. Außerdem ganz wichtig für die eigene mentale Gesundheit und am aller einfachsten: sich immer mal wieder selbst eine Umarmung geben.