Wissenschaftler haben vorgeschlagen, Schulen sobald wie möglich wieder zu öffnen. Seitdem wird viel diskutiert – meist aber ohne die, die am stärksten davon betroffen sind: die Schülerinnen und Schüler. Aber was sagen die eigentlich dazu?

Seit Wochen sind die Schulen in Deutschland geschlossen. Viele Schülerinnen und Schüler sehnen sich nach einer Rückkehr zu einem geregelten Schulalltag. Doch wie das gelingen kann, darüber streiten die Experten. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Leopoldina – der Nationalen Akademie der Wissenschaften – empfehlen auf Seite zwei ihrer Stellungnahme, die Schulen sobald wie möglich wieder zu öffnen. Den Anfang sollen die untersten Klassenstufen machen. Aber macht das Sinn?

"Da die Jüngeren im Bildungssystem mehr auf persönliche Betreuung, Anleitung und Unterstützung angewiesen sind, sollten zuerst Grundschulen und die Sekundarstufe I wieder schrittweise geöffnet werden."

"Absolventen sind wichtiger"

Johanna Börgermann ist 17 Jahre alt. Sie geht in die 11. Klasse und ist Landesvorstandsmitglied in der Landesschüler*innenvertretung NRW. Seit fünf Wochen kann sie jetzt schon nicht mehr in die Schule gehen. Seitdem steht auf dem Stundenplan: digitales Lernen. Das funktioniere bei ihr ganz gut, erzählt sie – allerdings auch nur, weil sie sich nicht auf eine wichtige Prüfung vorbereiten muss.

Anders sehe das bei Schülerinnen und Schülern, die kurz vor dem Abschluss stehen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind bis zu 1,1 Millionen Jugendliche davon betroffen. Sie müssten jetzt schnell den Stoff der vergangenen Wochen nachholen, um für die Abschlussprüfung gut vorbereitet zu werden.

"Wir glauben, dass es wichtiger ist, dass die Absolvent*innen jetzt Sicherheit brauchen. Wir sind dagegen, dass Prüfungen aufgezwungen werden. Es ist unglaublich wichtig, dass die Schüler die Möglichkeit bekommen, den Stoff nachzuholen."
Johanna Börgermann, Landesschüler*innenvertretung NRW

In Frankreich und in den Niederlanden wurde bereits entschieden, dass Abschlussprüfungen ausgesetzt werden. Das wäre in Deutschland auch eine Option, damit Schüler keinen Nachteil aus dieser Situation fürchten müssen, sagt Johanna. Falls die Prüfungen wie geplant stattfinden werden, fordert sie: Die Absolventen müssten noch mindestens zwei Wochen Unterricht erhalten, um den Stoff nachzuholen und zu vertiefen – selbstverständlich dann mit 1,5 Metern Sicherheitsabstand.