Es braucht eine deutlich ausgeprägtere Teststrategie in Deutschland, das sagten Forschende auf der Pressekonferenz des Science Media Center. Neben den PCR-Tests können auch Schnelltests helfen, die Infektionsketten zu stoppen.

Seit Wochen nimmt die Anzahl der PCR-Tests ab: Im Moment kommen pro Woche etwa eine Million dieser Tests in die Labore – dabei könnte doppelt so viel getestet werden. Das haben die Heidelberger Medizinerin Claudia Denkinger, der Kölner Virologe Florian Klein und der Berliner Epidemiologe Tobias Kurth bei einer virtuellen Pressekonferenz des Science Media Center (SMC) berichtet.

Zwar sei die Zahl der Corona-Schnelltests gestiegen, aber auch hier wäre noch mehr möglich. Mehr Tests könnten einerseits einen verbesserten Überblick über das Infektionsgeschehen liefern, andererseits könnte man Infektionsketten schneller durchbrechen.

Unabhängig von Symptomen testen

Die Forschenden sehen das Problem darin, dass in Deutschland vor allem Menschen getestet werden, die schwere und klassische Symptome haben oder zu einer Risikogruppe zählen.

Andere Länder testen mehr

Als Gegenbeispiel führen sie die Teststrategie in Südkorea an. Dort ist die Hürde, an einen PCR-Test oder Schnelltest zu kommen, wesentlich niedriger: Die Menschen können sich auf öffentlichen Plätzen testen lassen, auch anonym.

Besonders die Schnelltests könnten auch in Deutschland eine Möglichkeit sein, die Zahl der Tests anzuheben, sagen die Forschenden.

Schnelltests für zu Hause

Seit Anfang Februar 2021 dürfen nun auch Privatpersonen diese Schnelltests kaufen. Aber: Sie sind noch nicht zur Anwendung freigegeben, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Matthias Wurms.

Damit auch Laien die Schnelltests selbst anwenden dürfen, braucht es noch eine entsprechende Zertifizierungen und Anleitung.

"Bei den Antigen-Schnelltests arbeiten die Hersteller noch an den Anleitungen und Beipackzetteln, um das narrensicher zu machen, und das wird auch noch dauern."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk Nova

Auch zur Aussagekraft der Schnelltests gebe es neue Erkenntnisse, erklärte Virologe Florian Klein. Zwar seien sie im Vergleich zu PCR-Tests weniger zuverlässig. In einer Studie mit 2000 beliebigen Personen konnte der Antigen-Schnelltest aber die hoch-ansteckenden Personen, also die mit einer hoher Viruslast, relativ gut erkennen.

Demnach könnten Schnelltests zum Beispiel helfen, um Kontaktpersonen von Infizierten zeitnah zu überprüfen. Denn: Hatte eine Person erst vor kurzer Zeit mit einem Coronavirus-Infizierten Kontakt, wäre die Viruslast der Kontaktperson hoch – falls sie sich angesteckt hat. In dem Fall ist der Schnelltest fast genauso verlässlich wie der PCR-Test, so die Forschenden.