Die Omikron-Welle ist auf dem Vormarsch. Das bedeutet mehr Arbeit für die Krankenhäuser, für die Gesundheitsämter – und für die Labore, die die ganzen Testproben auswerten. Die Belastung ist extrem hoch. Und mehr Personal, Material und Räumlichkeiten sind nicht in Sicht.

Zu Beginn der Pandemie vor zwei Jahren, im Frühjahr 2020, war ein PCR-Test noch etwas ziemlich Exotisches. Außerdem wurde noch nicht so viel sequenziert. Heute hat sich die Lage ziemlich verändert.

Inzwischen dominiert Omikron auch Deutschland, sagt der Virologe Martin Stürmer, der in Frankfurt ein Labor zur (unter anderem) Mutationsanalyse leitet. Mit einer beeindruckenden Geschwindigkeit habe sie die anderen Varianten verdrängt. Innerhalb von knapp vier Wochen sei Omikron zu der Variante geworden, die in seinem Labor aktuell bei über 90 Prozent der ausgewerteten Mutationsanalysen als Ergebnis herauskommt. Das sei extrem schnell. In wenigen Tagen wird die Quote bei fast hundert Prozent sein, glaubt Martin Stürmer.

24-Stunden-Frist kaum einzuhalten

Die Lage sei gerade sehr angespannt. Denn es sei äußert schwierig, die PCR-Testergebnisse innerhalb von 24 Stunden zu liefern – was eigentlich der Anspruch von Labor sowie von Patientinnen und Patienten sei.

"Wir sind im Augenblick bis über alle Maßen gefordert im Labor. Wir wissen kaum noch, wie wir es schaffen sollen, die PCR-Tests in 24 Stunden fertig zu stellen."
Martin Stürmer, Virologe und Laborleiter in Frankfurt

Die schiere Masse an Befunden sei das Problem. Jede Probe komme mit einem Begleitschein. Die Patientendaten müssten erfasst werden, die Proben müssten vorbereitet werden, dann die Auswertung, die Erstellung der Befunde… all das erfordere eine enorme Logistik.

"Es mangelt mehr oder weniger an allem"

Nach der Anzahl der Befunde könnte Martin Stürmers Labor momentan das Drei- bis Vierfache abarbeiten, sagt er. Da stellt sich die Frage, ob sich die Labore auf den Ansturm nicht besser hätten vorbereiten müssen.

Der Virologe kann den Gedanken zwar verstehen, aber er widerspricht: Um noch mehr Proben abarbeiten zu können, fehlten einfach sowohl qualifiziertes Personal als auch Räumlichkeiten und Geräte. All das müsse man aber erstmal bekommen. Insgesamt sei der Markt hier sehr, sehr dünn. Selbst wenn sie wollten, würden sie momentan wahrscheinlich kein adäquates Personal finden, sagt er.

"Die PCR-Technik ist nichts, was man so einfach aus dem Hut zaubern kann – und die Varianten- und Sequenzanalysen noch viel weniger."
Martin Stürmer, Virologe und Laborleiter in Frankfurt

Im Laufe der Pandemie habe es in der Tat schon mehrfach die Situation gegeben, dass die Auslastung der Labore noch höher war als zurzeit. Die PCR-Technik sei aber eben auch nichts, was man so einfach aus dem Hut zaubern kann – und die Varianten- und Sequenzanalysen noch viel weniger.

Ausgewählter testen und Priorisieren

Wenn man sich den Kapazitätsgrenzen nähere, müsse man priorisieren und die Proben konsequent nach der Testverordnung abarbeiten, so der Virologe. Dann könne eben nicht jede Probe gleichermaßen behandelt
werden.

"Eine Priorisierung ist das absolut Wichtigste, das uns in den nächsten Tagen bevorsteht."
Martin Stürmer, Virologe und Laborleiter in Frankfurt

Martin Stürmer sieht dieses Szenario sehr bald kommen: Wenn eine Beendigung der Quarantäne nämlich mit PCR-Freitestung erfolgen kann, werden die Labore noch mehr Proben geliefert bekommen. Teilweise seien dafür zwar auch Antigentests möglich, doch diese hätten ihre Schwächen.