Nutzer müssen mehrfach bestätigen, dass sie ihr positives Testergebnis über die Corona-Warn-App teilen wollen. Das umständliche Prozedere hält anscheinend viele davon ab, das auch zu tun. Nur gut die Hälfte informiert ihre Kontakte tatsächlich.

Hauptfunktion der Corona-Warn-App ist es, dass wir informiert werden, wenn wir Kontakt zu einer infizierten Person hatten. Dass erfahren wir, wenn die Person in der App mitteilt, dass sie positiv getestet wurde. Genauso können wir auch selbst unsere Kontakten mitteilen, wenn wir positiv getestet wurden.

Überraschend ist, dass nur gut die Hälfte - laut Süddeutscher Zeitung sogar circa 60 Prozent - der Nutzenden dies macht. Auch dem Gesundheitsminister Jens Spahn war das aufgefallen, als er nach 100 Tagen Corona-Warn-App eine Bilanz gezogen hat.

Mehrfaches Bestätigen macht Warnprozess umständlich

Um zu erfahren, weshalb es Nutzern schwerfällt, die App zu bedienen,
hat Deutschlandfunk-Nova-Reporter Philip Banse mit Menschen gesprochen, die kürzlich positiv getestet wurden, wie zum Beispiel mit Alexander.

Alexander hat den QR-Code seines Tests mit seiner Corona-App gescannt, um das Resultat über die App zu erhalten. Das Ergebnis wurde ihm dann zunächst von seinem Arzt mitgeteilt und tauchte erst einige Stunden später auf seiner App auf.

"Wenn man auf "ja" geht, wird man noch sehr lange darüber aufgeklärt, dass das anonym ist, und was das bedeutet, dass es anonym ist. Wenn man dann auf "Teilen" geht, ist da noch ein dritter Schritt, bevor ich mein positives Ergebnis teilen kann."
Alex wurde positiv auf Sars-CoV-2 getestet.

Zunächst leuchtet ein rot unterlegter Hinweis - "Achtung Sie sind positiv" - in der Corona-Warn-App auf, beschreibt Alexander den Vorgang. Als Option werde dann "weiter" zum Daraufklicken angeboten.

Das findet der Journalist Philip Banse problematisch. Statt "weiter" könne einem die App auch vorschlagen, die eigenen Kontakte zu warnen.

Alexander hat "weiter“ angeklickt. Es erscheint die Option, Symptome einzutragen und wann diese aufgetreten sind. Danach fragt die App, ob der Nutzende sein Testergebnis teilen möchte: "ja" oder "nein". Alexander hat auf "ja" geklickt, danach ist er lange darüber aufgeklärt worden, dass seine Daten und auch sein Testergebnis anonym bleiben.

Schlechtes Design scheint Teilen zu verhindern

Erst nach diesen vielen Schritten erscheint der Button "teilen", sagt Alexander. Ganz sicher ist er sich nicht mehr, ob er dann nicht noch ein weiteres Mal gefragt wurde, ob er das Ergebnis wirklich teilen möchte. Alexander sagt, er habe diesen Vorgang als "abschreckend und unnötig kompliziert" empfunden.

"Da fragt man sich schon: Warum steht da nicht: 'Warnen sie ihre Kontakte', sondern nur 'weiter'?"
Philip Banse, Journalist

Das Design der App und die Art, wie sie informiert und Anreize setzt, wurde schon mehrfach kritisiert, sagt der Journalist Philip Banse.

Die Gestaltung der App scheint das Teilen tatsächlich zu behindern, schätzt der Journalist ein. Außerdem denkt er, dass die Entwickler zu weit gegangen seien, mit dem Ansatz, unbedingt maximalen Datenschutz zu kommunizieren.