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"Wie man schlafen soll" heißt der Endzeitroman von Cordula Simon. Er erzählt die Geschichten von drei sehr unterschiedlichen Männern, die es in eine künstliche Stadt namens Lightraff verschlagen hat.

Es ist dunkel, kalt und unheimlich. Koslov friert. Er ist bis auf die Haut vom Regen durchnässt. Koslov sollte nicht hier sein, in der Bibliothek von Lightraff, genauer: im unzugänglichen Teil der Bibliothek von Lightraff, da, wo die echten Bücher lagern, die schon lange nicht mehr verliehen werden. Heute liest man digital.

Heimlich durch verschlossene Türen geschlüpft

Koslov war tagsüber hierhergekommen, in der Hoffnung, etwas Zeit totschlagen und sich vor dem starken Regen draußen retten zu können. Aber man hatte ihn rüde abgewiesen. Seine Lightraff-Karte sei abgelaufen, nicht mehr gültig, er könne also nichts lesen. Da könne man nichts machen.

In die einzige Kneipe von Lightraff konnte er auch nicht gehen, schließlich hatten sie ihn da gerade erst gefeuert. Aber dann hatte Koslov die Tür zum geheimen Teil der Bibliothek entdeckt. Der Bibliothekar war an einem der digitalen Automaten beschäftigt und Koslov hatte die Gelegenheit genutzt und war hindurchgeschlüpft.

Lightraff sah im Prospekt viel besser aus

Cordula Simon erzählt in ihrem Endzeitroman die Geschichte von drei sehr unterschiedlichen Männern, die nach Lightraff kommen. In Hochglanzprospekten hatten sie von dieser künstlichen Stadt gelesen. Sie hatten von humanen Arbeitszeiten und von hellen Straßen gelesen, von Gehaltserhöhungen und von Vollversorgung.

Aber die Realität sieht anders aus. Lightraff schert sich nicht um seine Bewohner und deren Befindlichkeiten. Lightraff ist eine Maschine, die laufen muss. Alle internen Entscheidungen zielen auf maximale Effizienz ab.

"Eigentlich ist Koslov Künstler, nur wollte niemand was von seiner Kunst wissen. Die Menschheit hatte andere Probleme. Eine kaputte Umwelt, nichts zu essen und dann diesen Meteoriten, der auf die Erde zu rast."
Lydia Herms, Deutschlandfunk Nova

Schließllich stehen sie sich gegenüber: drei Männer ohne Arbeit, vor einem Bett, in das sie sich eigentlich nicht legen dürfen, weil es der Firma gehört, die sie rausgeworfen hat. Wie lässt sich dieses Problem lösen? Man könnte sich gegenseitig töten, oder auf den Meteoriten hoffen. Oder beides.

Die Autorin

Cordula Simon ist 1986 in Graz geboren. Sie studierte deutsche und russische Philologie in Graz und Odessa, wo sie von 2011 bis 2015 auch lebte. Die Schriftstellerin ist Mitglied der Literaturgruppe "plattform" und Koordinatorin der Jugend-Literatur-Werkstatt Graz. Bisher veröffentlichte sie: "Der potemkinsche Hund" (2012), "Ostrov Mogila" (2013), "Wie man schlafen soll" (2016) und "Der Neubauer" (2018).

Das Buch

"Wie man schlafen soll" von Cordula Simon, Residenz Verlag, 195 Seiten, gebundene Ausgabe (Hardcover): 20 Euro, eBook: 15,99 Euro.